Kommentare zu: Man kann eben doch etwas tun! https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/ Kommentare und Meinungen der GrĂ¼nen Luzern Thu, 18 Oct 2007 14:15:46 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.2 Von: Remo Gubler https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/comment-page-1/#comment-19 Thu, 18 Oct 2007 14:15:46 +0000 https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/#comment-19 Ciao Raphael

Ich habe nichts gegen Gore, er hat viel geleistet. Kein Zweifel. Und ich wähle die Grünen. ABER:
Ein Missionar, der aber das vorlebt, was er propagiert, wirkt stärker als alle Worte (mit Kleinkindern sehr gut zu lernen).

Wo die Suffizienz liegt, kann man z.B. mit dem ökologischen Fussabdruck-Modell definieren. Oder der 2000-Watt-Gesellschaft. Letztere arbeitet aber mit dem pro-Kopf-Verbrauch-Konzept, was leider untauglich ist. Ein konstanter pro-Kopf-Verbrauch führt bei steigender Bevölkerung auch zu wachsendem Energie-Verbrauch.
Und jede Effizienzsteigerung wurde bis anhin durch Mehrverbrauch mehr als kompensiert (Rebound-Effekt, Jevons Paradoxon).

Du sagst, „wir bleiben dran“ bez. Wachstumskritik. Das hör ich aber von grüner Seiter sehr selten, sorry. Hier hat nicht ansatzweise ein Umdenken stattgefunden (wenn überhaupt eher Richtung Wachstumsgläubigkeit), geschweige denn ein „Umhandeln“.
Warum. Weil viele Grüne selbst eben auch gerne in die Ferien fliegen und in einer grossen Wohnung wohnen. Und es ist wirklich schwierig, sich gegen das Wachstumssystem aufzulehnen, weil es halt für die Meisten sehr attraktiv ist, da bin ich nicht naiv. Ich bin ja selbst im System gefangen, mein ökol. Fussabdruck ist immer noch grösser 1.

Aber wer wenn nicht die Grünen beginnt mit dem Umdenken?

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Von: Raphael Fischer https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/comment-page-1/#comment-18 Thu, 18 Oct 2007 12:35:57 +0000 https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/#comment-18 Lieber Remo, da weisst Du auf interessante Fragen hin.

1. Selbstverständlich ist Gore (wie die meisten Menschen und auch alle anderen bisherigen Nobelpreisträger) kein Heiliger und es gibt punkto Umweltschutz einige Bereiche, bei denen er unbedingt sein eigenes Verhalten noch überdenken sollte (z.B. das Benutzen eines schweren und wahrscheinlich recht „gsüffigen“ Wagens, das sehr häufige Fliegen, das Heizen eines grossen und wahrscheinlich nicht besonders energieeffizientem Haus). Dennoch fände ich es falsch, aufgrund dieser „Fehler“ Gores Botschaft rundwegs abzulehnen. Gore hat einiges bewirkt. Wie kein anderer Mensch hat Gore sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, dass der Klimawandel weltweit zu einem Topthema auf der politischen Agenda wurde. Dass dabei zum Teil zu fragwürdigen Instrumenten gegriffen wurde, wie etwa am 07.07.07 einen gigantischen Rockkonzert-Marathon zu veranstalten, der gewiss einiges an Klimagas-Emissionen verursachte (ob diese nun „klimaneutral“ kompensiert wurden oder nicht), kann man tatsächlich kritisieren. Aber man muss doch fairerweise auch zugeben, dass Gore mit dieser letzten Grossaktion dafür gesorgt hat, dass auch durch und durch „unpolitische“ Kreise damit Zugang zum Thema Klima- und Umweltschutz erhielten. Wenn nur ein kleiner Teil der Leute, die Gores Botschaft hörten, ihr Verhalten überdenken und punktuell ändern, ist schon einiges erreicht. (Ob sie das tun, ist eine andere Frage. Aber indem man über Gore lästert, ist der Sache sicher auch nicht gedient.)

2. Du hast Recht, dass das Pochen auf Energieeffizienz allzu oft ein billiger Selbstbetrug ist. Denn viele Geräte wurden schon einiges effizienter und dennoch steigt der Strombedarf nicht nur hierzulande weiterhin an. Die Effizienzgewinne werden zu oft gleich wieder durch den gestiegenen Konsum weggefressen. Das ist effektiv ein Problem. Der Grund-Widerspruch besteht aber nicht darin, dass die meisten Menschen immer noch mehr wollen, sondern darin, dass wir schon jetzt auf einem viel zu „hohen“ Level leben. Wenn jeder Erdenbewohner so viel Ressourcen benötigte wie ein durschnittlicher Schweizer Bürger, dann bräuchte es drei Planeten! (Im Fall der Amerikaner sogar sechs, aber deswegen sind wir nicht einmal besser.) Da kommt nun Coop und schreibt: „Für die einzige Welt, die wir haben.“ Auch wenn’s pathetisch klingt, ist damit das Problem angesprochen, dass in den kommenden Jahren auf den verschiedenen Konferenzen für erhebliches Konfliktpotenzial sorgen wird. Was gibt uns in den westlichen Staaten eigentlich das Recht, pro Kopf mehr Ressourcen und insbesondere auch mehr Schadstoff-Ausstoss zu beanspruchen als andere Menschen? – Im Kleinen ist es sicher erstrebenswert, mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber als Missionar macht man sich nicht beliebt. Wie sind Deine Erfahrungen, Remo, wenn Du deinen Freunden und Bekannten sagst: Seid sparsamer, fahrt weniger Auto, benutzt weniger technische Geräte, machst Du Dich damit beliebt? – „Alle hoffen auf Energieeffizenz, aber niemand spricht von Suffizienz.“ Du hast absolut Recht. Nur: Wer bestimmt denn, wo die Suffizienz liegt? Wann ist genug genug? Und, last but not least, wie propagieren wir den Gedanken der Genügsamkeit in einem Wirtschaftssystem, das ganz klar auf dem Prinzip des Wachstums basiert?
Es gibt zu tun. Aber ein Umdenken wird nötig sein, früher oder später, freiwillig oder mit Schmerzen. Wir bleiben dran.

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Von: Remo Gubler https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/comment-page-1/#comment-16 Thu, 18 Oct 2007 11:16:54 +0000 https://archiv.gruene-luzern.ch/blog/2007/10/12/man-kann-eben-doch-etwas-tun/#comment-16 Was hat denn Albert Gore wirklich an seinem Verhalten geändert? Lebt er dem selbst nach, was er predigt, oder sollen das andere tun?
Aber wer macht das schon. Alle hoffen auf Energieeffizienz, aber niemand spricht von Suffizienz.

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