{"id":12,"date":"2007-09-11T22:12:38","date_gmt":"2007-09-11T20:12:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2007\/09\/11\/terrorismus-und-die-schweiz\/"},"modified":"2007-09-14T19:36:11","modified_gmt":"2007-09-14T17:36:11","slug":"terrorismus-und-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2007\/09\/11\/terrorismus-und-die-schweiz\/","title":{"rendered":"Terrorismus und die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Dienstag, der 11. September. Ein symboltr&#228;chtiges Datum: Genau vor 6 Jahren, ebenfalls an einem Dienstag, steuerten islamistische Terroristen gekaperte Flugzeuge in die Zwillingst&#252;rme des New Yorker World Trade Centers. Fast 3000 unschuldige Menschen starben damals, die Bilder der einst&#252;rzenden T&#252;rme gingen um die Welt und werden auch heute wieder x-mal wiederholt. WTC und der 11. September sind seitdem Chiffren f&#252;r einen Terrorismus neuer Art, der keine politischen Forderungen stellt, sondern wahllos so viele Zivilisten wie m&#246;glich zu t&#246;ten versucht und damit die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Auf den Anschlag folgte eine beispiellose Sicherheitsoffensive, die den Flugverkehr ziemlich ver&#228;ndert hat. Doch der n&#228;chste gr&#246;ssere Anschlag in der westlichen Welt erfolgte dann in Regionalz&#252;gen; Madrid, 11. M&#228;rz 2004. Ein anderes Mal traf es die U-Bahn von London, am 7. Juli 2005. (Zahlenspiele scheinen beliebt zu sein.) Auch hierzulande f&#252;rchteten und f&#252;rchten sich manche Mitbewohner mehr und andere weniger vor solchen Anschl&#228;gen. Grunds&#228;tzlich gibt es keinen Grund, warum islamistische Terroristen nicht auch die Schweiz ins Visier nehmen k&#246;nnten,<br \/> <!--more-->denn ihre Anschlagsziele scheinen willk&#252;rlich gew&#228;hlt. Vermutlich ist es aber auch nicht falsch anzunehmen, dass Spanien und England wegen ihrer Teilnahme am Irak-Krieg naheliegendere Ziele waren, w&#228;hrend Deutschland als Standort diverser US-Einrichtungen gef&#228;hrdet ist. Die Attentate in London wurden von Islamisten mit britischem Pass ver&#252;bt, weshalb sp&#228;testens seitdem in allen europ&#228;ischen L&#228;ndern Muslime unter einem Kollektivverdacht stehen. Doch man sollte sich davor h&#252;ten, Muslime, Islam und Islamismus gleichzusetzen und in jedem Barttr&#228;ger gleich einen Terroristen zu sehen. Dass man sich bem&#252;ht, Anschl&#228;ge zu verhindern, ist gewiss richtig. Allerdings rechtfertigt das Interesse an Sicherheit nicht die Aufhebung grundrechtlicher Freiheiten. Die wahllose technische Ausspionierung, wie sie Sch&#228;uble und auch Blocher fordern, ist nicht angemessen, vor allem aber w&#228;re sie enorm kostspielig und dennoch total ineffizient: Ein immenser Aufwand w&#228;re n&#246;tig, um die Masse von Telefongespr&#228;chen und die Abermilliarden von Computerdaten auszuwerten, die tagt&#228;glich &#252;ber die Server gehen. Zu allem Entschlossene m&#252;ssten aber bei ihrer Kommunikation bloss unverd&#228;chtige Codes benutzen, um doch durch die Maschen zu gehen. Nein, der &#220;berwachungsstaat ist keine Option.<\/p>\n<p>Ein radikaler Vorschlag kommt vom rechten Rand der Schweizer Politik. Einige Wortf&#252;hrer k&#246;nnen oder wollen die Religion nicht von deren radikalen und gewaltt&#228;tigen Sekten trennen und blasen mithilfe ihrer Propagandaschrift <i>Weltwoche<\/i> zum Generalangriff auf den Islam. Ihre simple (und falsche) Logik: Da Islamisten sich auf den Islam berufen, ist dieser ein Problem. Allerdings ist mir v&#246;llig schleierhaft, was man eigentlich genau zu erreichen hofft, wenn man eine Initiative lanciert, die den Bau von Minaretten verbietet. Dieses Ansinnen wird von den Gr&#252;nen einstimmig abgelehnt, weil es die Religionsfreiheit \u2013 und damit einen zentralen Wert der europ&#228;ischen Aufkl&#228;rung, auf den sich die Abendland-Retter so gerne berufen \u2013 in Frage stellt, indem es f&#252;r eine einzige Religion eine Ausnahme verf&#252;gt. Die meisten hiesigen Muslime stammen im &#220;brigen aus Bosnien oder Kosovo und damit aus Regionen, in denen es keine radikalen Str&#246;mungen des Islams gibt. Es ist nicht einzusehen, warum es besser sein soll, wenn sie sich in Hinterh&#246;fen treffen, um ihre Religion auszu&#252;ben, als wenn sie ansehnliche Sakralbauten errichten. Und solange Kirchen T&#252;rme haben d&#252;rfen, sollten Moscheen auch Minarette haben d&#252;rfen. Mit der Einf&#252;hrung der Scharia hat das nichts zu tun. Im Gegenteil k&#246;nnte der Bau von ein paar wenigen Moscheen in diesem Land die Integration der Muslime nachhaltig f&#246;rdern. Integration heisst ja sicher nicht, dass hier niedergelassene Ausl&#228;nder ihre Kultur g&#228;nzlich aufgeben sollen. L&#228;sst man Einwanderer ihre angestammte Religion im Rahmen des demokratischen Rechtsstaats frei aus&#252;ben, scheint mir das auf jeden Fall mehr zu bringen als Verbote, die diese Gruppen an den Rand der Gesellschaft dr&#228;ngen w&#252;rden. Denn gerade dies w&#228;re ein N&#228;hrboden f&#252;r Extremismus.<\/p>\n<p>100% Sicherheit ist nicht m&#246;glich, weder im Verkehr noch sonst irgendwo. Gefahren gibt es. Man kann sie minimieren, aber nie vollst&#228;ndig beseitigen. Wir sollten daher skeptisch sein, wann immer im Namen der Sicherheit der Verzicht von Freiheit verlangt wird. Vor allem aber m&#252;ssen wir uns entschieden gegen Populisten wehren, die mit einfachen L&#246;sungen hausieren und S&#252;ndenb&#246;cke pr&#228;sentieren, um von anderen Problemen abzulenken. Zwei Wochen nach 9\/11 vernahm ich auf einer Auslandsreise von einem Terroranschlag der anderen Art, der sich in der Schweiz zugetragen hatte: Friedrich Leibacher schoss w&#228;hrend einer Sitzung des Zugers Kantonsparlaments wahllos mit einem Sturmgewehr um sich und l&#246;schte 14 Menschenleben aus. Diese Tat h&#228;tte kein Minarettverbot und keine Ausschaf(f)ungsinitiative verhindern k&#246;nnen. Dass jemand mal ausrastet, kommt vor. Dass in fast jedem Schweizer Haushalt ein Sturmgewehr steht, ist dagegen gef&#228;hrlich und sollte nicht vorkommen. Hier erscheint mir eine kleine Einschr&#228;nkung der Freiheit (die Freiheit, das Sturmgewehr im Schrank haben zu d&#252;rfen) zugunsten von mehr Sicherheit richtig, denn man kann auch sagen: Das Menschenrecht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person (Allg. Erkl&#228;rung der MR 1948, Artikel 3) ist unbedingt h&#246;her zu gewichtigen als das Recht auf Waffenbesitz. Aus diesem Grund unterst&#252;tze ich die Volksinitiative <a href=\"http:\/\/www.gsoa.ch\/waffen\/\">Sturmgewehre ins Zeughaus!<\/a>, unterschreiben auch Sie!<\/p>\n<p>Just gegen die Verbannung der Armeewaffen ins Zeughaus und ein strengeres Waffenrecht wie in &#214;sterreich, wo seitdem nachweislich weniger Selbstmorde und Gewalttaten ver&#252;bt wurden, wehren sich jene Politiker, die st&#228;ndig mehr Sicherheit versprechen, worunter sie aber tats&#228;chlich nur h&#228;rtere Strafen f&#252;r bestimmte Gruppen verstehen. Es sind dieselben Leute, die auch Minarette verbieten wollen und &#252;berall kriminelle Ausl&#228;nder oder Geheimpl&#228;ne wittern. Sie sind es, die mit einer immer martialischeren Sprache und Propaganda das politische Klima in der Schweiz vergiften. Vom extremen Rechtspopulismus ist es nur noch ein kleiner Schritt zum gewaltt&#228;tigen Rechtsextremismus. Das kann man besonders in diesem Wahl(kampf)jahr beobachten: Eine engagierte GPK-Politikerin braucht Polizeischutz, weil die Drohungen gegen sie das sonst schon &#252;ble &#252;bliche Mass &#252;berschreiten. Auf dem R&#252;tli und in Briefk&#228;sten von Innerschweizer Politikern explodieren kleine Sprengs&#228;tze. Mehr als der islamistische Terrorismus geben mir diese Ans&#228;tze zu politischer Gewalt zu denken. Es ist h&#246;chste Zeit, nur solche Politiker zu w&#228;hlen, die f&#252;r Fairness einstehen, ihre Gegner nicht als Feinde betrachten, sachlich bleiben und nach differenzierten L&#246;sungen suchen statt auf Minderheiten und Randgruppen rumzuhacken. Deshalb w&#228;hle ich am 21. Oktober gr&#252;n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, der 11. September. Ein symboltr&#228;chtiges Datum: Genau vor 6 Jahren, ebenfalls an einem Dienstag, steuerten islamistische Terroristen gekaperte Flugzeuge in die Zwillingst&#252;rme des New Yorker World Trade Centers. Fast 3000 unschuldige Menschen starben damals, die Bilder der einst&#252;rzenden T&#252;rme gingen um die Welt und werden auch heute wieder x-mal wiederholt. WTC und der 11. 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