{"id":3184,"date":"2011-12-15T10:57:26","date_gmt":"2011-12-15T09:57:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/?p=3184"},"modified":"2011-12-15T10:58:24","modified_gmt":"2011-12-15T09:58:24","slug":"schiffbruch-des-budgets-2012-im-kantonsrat-luzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2011\/12\/15\/schiffbruch-des-budgets-2012-im-kantonsrat-luzern\/","title":{"rendered":"Schiffbruch des Budgets 2012 im Kantonsrat Luzern"},"content":{"rendered":"<p><em>Leserbrief von Nino Froelicher, Kantonsrat Gr&#252;ne, Kriens<\/em><\/p>\n<p>Der Regierungsrat erleidet Schiffbruch, der Kantonsrat kippt das Budget. Mit diesen und &#228;hnlichen Worten kommentierte die Tagespresse die Beratungen dieser Tage im Luzerner Kantonsparlament.<\/p>\n<p>Vielleicht sind wir Luzernerinnen und Luzerner doch keine Seefahrer-Nation. Wenn ich mich an die verschiedenen Debatten zur Steuergesetzrevision 2008 erinnere, habe ich immer das vielbeschworene Bild des strahlend-hellen Steuersenkungsschiff vor mir, das aufbricht zu einer grandiosen Seefahrt, den inneren Kompass auf das eine Ziel gerichtet, dass da heisst: wir wollen auf den Podestplatz im schweizerischen Steuerrankingwettbewerb. Wir wollen auf die Shortlist, hiess es auf Ober- und Mitteldeck, und auch das Volk zu Land konnte man zu rund 68% davon &#252;berzeugen, dass man sich diesen Aufbruch leisten k&#246;nne.<\/p>\n<p>Um diese Steuersenkungsfahrt zu erm&#246;glichen wurden in immer neuen Sprachsch&#246;pfungen Sparpakete, Verzichtspakete und Ausgabenwachstumspakete geschn&#252;rt und von einer sehr willigen Mannschaft abgeladen. Alle diese Pakete hatten ihre Empf&#228;nger, ihr Inhalt war alles andere als die vielgepriesene, vielbesungene \u00abLuft in der Staatsverwaltung\u00bb. Die FDP nennt das Ding jetzt \u00abFett im Bodymassindex\u00bb.<\/p>\n<p>Nachdem es vor den Fr&#252;hlingswahlen 2011 von Seiten des Schiffkapit&#228;ns hiess, wir seien voll auf Kurs, t&#246;nte es nach den Wahlen dann anders. Ich muss gestehen: ich &#228;rgerte mich sehr, mit welcher Leichtigkeit uns das Auflaufen auf das massive Riff kommuniziert wurde: Das Loch in der Staatskasse sei unerwartet hoch und Schuld daran seien alle anderen. Aus unserer Sicht haben sich die Verantwortlichen dieser Hochseefahrt mit den bereits umgesetzten und geplanten Steuersenkungen verspekuliert und sich in eine zu grosse Abh&#228;ngigkeit von externen Faktoren gebracht (Beitr&#228;ge Finanzausgleich, Nationalbank, Spitalfinanzierung).<\/p>\n<p>Das Steuersenkungsschiff hat eine Klippe gestreift, weil es auf dem offenen Meer eben nicht nur Wasser sondern auch kartierte und nicht kartierte Klippen gibt. Das Schiff hat eine F&#252;hrung (die Regierung) und eine Mannschaft (die b&#252;rgerliche Mehrheit im Parlament). Insofern kann sich die Mannschaft nicht einfach aus der Verantwortung ziehen und sagen: \u00abHuch, wir haben nicht gewusst, dass es auf dem offenen Meer gef&#228;hrliche Klippen gibt!\u00bb.<\/p>\n<p>Ich finde es &#228;usserst hasenf&#252;ssig, dass die Mannschaft auf dem Schiff jetzt, wo die Regierung sagt, Achtung, die erste Bordwand ist aufgeschlitzt und jetzt m&#252;ssen wir sofort Massnahmen einleiten, damit uns nicht die zweite Bordwand eingedr&#252;ckt wird, dass die Mannschaft sagt: \u00abAch, was k&#252;mmert uns das Staatsschiff solange wir keine schlechten Nachrichten an unsere Landsleute zuhause schicken m&#252;ssen\u00bb. Weil die Landsleute zuhause nicht gerne h&#246;ren, dass die Fahrt doch nicht ganz so schadlos wird und sie etwas an die Reparatur bezahlen sollten.<\/p>\n<p>Vielleicht sind wir keine Seefahrernation. Wenn die staatstragenden Parteien in diesem Kanton ihre eigenen Regierungsr&#228;te desavouieren, wenn sie gemeinsam mit der SVP in die Opposition gehen, muss ich feststellen: f&#228;ngt jetzt dann das uns&#228;gliche Spiel mit halben Regierungsr&#228;ten bei uns auch noch an? Ich h&#228;tte mir von den Mitgliedern der staatstragenden Parteien das n&#246;tige R&#252;ckgrat gew&#252;nscht, Entscheidungen mitzutragen, die Verantwortung tragende Regierungsratsmitglieder aus ihren eigenen Reihen trafen, weil die entstandene Situation keine andere L&#246;sung zul&#228;sst. Ich h&#228;tte mir mehr R&#252;ckgrat gew&#252;nscht, auch unpopul&#228;re Entscheidungen mitzutragen, wie es eine Erh&#246;hung des Steuersatzes oberfl&#228;chlich und ohne den Leuten zu erkl&#228;ren nun mal ist.<\/p>\n<p>Die Mehrheit des Parlamentes hat sich davor gedr&#252;ckt und das Budget gekippt. Weil nicht sein darf, was sich nun best&#228;tigt: die gloriose Steuersenkungsfahrt auf den Podestplatz verl&#228;uft nicht so, wie sie angek&#252;ndigt wurde. Nun werden f&#252;r 2012 Leistungen im Umfang von gegen 94 Millionen Franken zusammengestrichen.<\/p>\n<p>Auch die Titanic wollte nur eines: den Podestplatz. Den Rest der Geschichte wissen wir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leserbrief von Nino Froelicher, Kantonsrat Gr&#252;ne, Kriens Der Regierungsrat erleidet Schiffbruch, der Kantonsrat kippt das Budget. Mit diesen und &#228;hnlichen Worten kommentierte die Tagespresse die Beratungen dieser Tage im Luzerner Kantonsparlament. Vielleicht sind wir Luzernerinnen und Luzerner doch keine Seefahrer-Nation. 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