{"id":34,"date":"2007-12-02T18:51:38","date_gmt":"2007-12-02T16:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2007\/12\/02\/votum-zum-giftmuellskandal-im-grossen-stadtrat\/"},"modified":"2008-04-10T09:46:55","modified_gmt":"2008-04-10T07:46:55","slug":"votum-zum-giftmuellskandal-im-grossen-stadtrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2007\/12\/02\/votum-zum-giftmuellskandal-im-grossen-stadtrat\/","title":{"rendered":"Votum zum Giftm&#252;llskandal im Grossen Stadtrat"},"content":{"rendered":"<p>Votum im Grossstadtrat zum Verhalten der Holdinggesellschaft Trafigura AG aus Luzern. Diese Firma hat den Giftm&uuml;llskandals an der Elfenbeink&uuml;ste zu verantworten. Der zust&auml;ndige Finanzdirektor fand es nicht n&ouml;tig, auf das Votum zu reagieren.<\/p>\n<p>Zwei Dinge spreche ich hier im Rat an. Erstens die Antwort des Stadtrates und zweitens den Giftm&uuml;llskandal und seine Hintergr&uuml;nde.<\/p>\n<p>1. Die Antwort des Stadtrates.<br \/>\nDer Stadtrat schreibt, er sei bis zum heutigen Zeitpunkt weder von Medien noch von Drittpersonen in der Sache angegangen worden. In Luzern wurde d&uuml;rftig informiert. NZZ, Tagesanzeiger, BBC one und die franz&ouml;sische Presse informierten ausf&uuml;hrlicher, was in Schlagzeilen gipfelte: &bdquo;Rohstoffh&auml;ndler mit Hauptsitz in Luzern verurteilt.&ldquo; Selbst in Davos war die Firma f&uuml;r den Public Eye global Award 2007 nominiert, als besonders zu kritisierende Firma.<\/p>\n<p>Die Stadt sei mit der Firma in einem intensiven Kontakt. Trafigura Beheer B.V. habe in den letzten Monaten &uuml;ber die Vorf&auml;lle in Westafrika informiert. Wenn die Informationen die gleichen sind, wie sie auf der Firmenhomepage stehen, so wird weder zur Umgehung des europ&auml;ischen Rechts (Basler Konvention) noch zur Ladung des Schiffes wahrheitsgetreu informiert.<\/p>\n<p>Der Stadtrat sieht eine Aufgabenteilung zwischen Bund und Stadt bei Hilfsprojekten im Ausland. Dies ist nachvollziehbar, jedoch k&ouml;nnte sich die Stadt immer noch einmalig finanziell einem Projekt anschliessen. Finanzpolitisch ist dies vertretbar. Damit wird kein neuer Grundsatz aufgestellt. Selbst das Steuergeheimnis wird mit einer Solidarit&auml;tszahlung nicht verletzt. Wie viel Trafigura versteuert, wissen wir nicht. Einen Teil der Steuereinnahmen w&auml;re durchaus m&ouml;glich  zu zahlen, ohne das Steuergeheimnis zu verletzen.<\/p>\n<p>Der Stadtrat begr&uuml;sst die weltweiten Bem&uuml;hungen, das Wohlstandsgef&auml;lle abzubauen. Leider vergr&ouml;ssert sich das Wohlstandsgef&auml;lle dramatisch. Die punktuelle Begr&uuml;ndung Migration erzeugt weitere Migration des zitierten Bundesamtes, ist etwas gar kurz gegriffen. Sie greift nur, wenn man die Kolonisation und den Krieg um Rohstoffe ausklammert.<\/p>\n<p>2. Der Giftm&uuml;llskandal steht f&uuml;r Vieles unserer Zeit.<br \/>\n1. Wie geht es den Menschen &ndash; nebst dem in der Interpellation Geschildertem von Verletzten und Toten waren die Menschen vor allem ver&auml;ngstigt. Sie getrauten nicht mehr den Abfall auf den Deponien zu entsorgen. Der in den Strassen der Stadt abgelagerte Abfall wurde zur Seuchengefahr. Als Reaktion auf diesen Giftm&uuml;llskandal erkl&auml;rte die &Uuml;bergangsregierung von Ministerpr&auml;sident Banny am 6. September 06 ihren R&uuml;cktritt. Der Pr&auml;sident machte ausl&auml;ndische M&auml;chte f&uuml;r diesen &bdquo;Anschlag&ldquo; auf die Elfenbeink&uuml;ste verantwortlich. Demgegen&uuml;ber berichtete BBC one am 16.9.06, dass die verantwortliche Firma, die das Gift entgegennahm, dem Verkehrsminister und der Frau des Pr&auml;sidenten geh&ouml;ren und dass Schmiergelder in Millionenh&ouml;he flossen.<\/p>\n<p>2. Anhand von Trafigura lernte ich nicht nur die Macht von Rohstoffmultis kennen, sondern auch ihre Profit- und Vertuschungsstrategie. Mit einem Firmennetz wird zudem die Verantwortlichkeit verschleiert, weil Trafigura Beheer B.V. nur eine Zweigniederlassung einer holl&auml;ndischen Firma ist, die wiederum in einer Holdingfirma aufgeht, welche mit weiteren Tochterfirmen (Puma Energy) in Luzern am gleichen Standort mit den fast identischen Verwaltungsr&auml;ten ihren Briefkastensitz hat.<\/p>\n<p>3. Zudem lernte ich das versklavte Verhalten im Steuerwettbewerb kennen, dem Kniefall vor dem Kapitalismus und vor seinen Kollateralsch&auml;den.<br \/>\nDer internationale und interkantonale Steuerwettbewerb ist ein Rennen um den schn&ouml;den Mammon. Ersichtlich ist dies beim bevorzugten Behandeln von juristischen Personen. Bei den Kapitalgewinnsteuern f&uuml;r Holdinggesellschaften ist der Kanton Luzern f&uuml;hrend (vgl. Neue LZ vom 27.9.05). Nach der Senkung per 2005 von 0,5% um das 50-fache!! auf 0,01% &ndash; man stelle sich vor, die Krankenkassenpr&auml;mien w&uuml;rden um das 50-fache gek&uuml;rzt &ndash; wie viele da jubeln w&uuml;rden&ndash; bei den Steuererhebung f&uuml;r Briefkastenfirmen wurde dies jedoch gemacht. Mit diesem Steuersatz lag Luzern national auf Platz 1. Die negative Steuerspirale, reiche Unternehmen bezahlen immer weniger, dreht sich munter fort und der Tanz um das goldene Kalb findet damit seine Fortsetzung. Der Steuerwettbewerb zeigt hier seine h&auml;ssliche Fratze und die Grenzen eines sich selbstregulierenden Marktes. Bez&uuml;glich EU wird die schweizerische Besteuerungspolitik zu Recht kritisiert, weil dieser Wettbewerb knallharte Kapitalisten anzieht und damit Steuerflucht und Steuerhinterziehung beg&uuml;nstigt. Die Trafigura AG profitiert von dieser Steuerpolitik. Sie erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von 45 Milliarden Dollar. Sie zahlte die 247 Millionen an die Elfenbeink&uuml;ste so bereitwillig, weil dummerweise einer ihrer Chefs, Claude Dauphin, unter den Verhafteten war. Er und Eric de Turckheim  haben Trafigura 1993 gegr&uuml;ndet. Zuvor arbeiteten sie bei Marc Rich und wurden als Marc Richboys bezeichnet. Marc Rich selber wurde in seinem Land USA wegen Steuerhinterziehung und Umgehung von Embargos zu 325 Jahren Gef&auml;ngnis verurteilt.<\/p>\n<p>4. Pers&ouml;nliches Fazit: Niemand kann zwei Herren dienen. Diese alte Infragestellung ist teilweise &uuml;berholt, weil einige sehr gut zwei Herren dienen k&ouml;nnen. Trafigura und ihr ergebenen PolitikerInnen dienen sogar nur einem Herrn, dem Mammon oder neuzeitlich ausgedr&uuml;ckt dem Steuersenkungswettbewerb und dem Kasinokapitalismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Votum im Grossstadtrat zum Verhalten der Holdinggesellschaft Trafigura AG aus Luzern. Diese Firma hat den Giftm&uuml;llskandals an der Elfenbeink&uuml;ste zu verantworten. Der zust&auml;ndige Finanzdirektor fand es nicht n&ouml;tig, auf das Votum zu reagieren. Zwei Dinge spreche ich hier im Rat an. Erstens die Antwort des Stadtrates und zweitens den Giftm&uuml;llskandal und seine Hintergr&uuml;nde. 1. 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