{"id":830,"date":"2009-10-23T11:13:40","date_gmt":"2009-10-23T10:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/?p=830"},"modified":"2009-10-23T16:12:13","modified_gmt":"2009-10-23T15:12:13","slug":"anti-minarett-initiative-aengste-unterstellungen-und-schlagwoerter-ueberdecken-den-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-luzern.ch\/blog\/2009\/10\/23\/anti-minarett-initiative-aengste-unterstellungen-und-schlagwoerter-ueberdecken-den-dialog\/","title":{"rendered":"Anti-Minarett-Initiative: &#196;ngste, Unterstellungen und Schlagw&#246;rter &#252;berdecken den Dialog"},"content":{"rendered":"<p><em>von Andreas Heggli<\/em><\/p>\n<p>Die Gr&#252;ne Parole ist klar: Bei der Abstimmung zur Volksinitiative \u201eGegen den Bau von Minaretten\u201c muss am 29. November ein Nein in die Urne gelegt werden. Trotzdem sind von Gr&#252;ner Seite zur Initiative und zur erstaunlichen Argumentation der Medien einige Anmerkungen angebracht.<\/p>\n<p>Dass die Anti-Minarett-Initiative eine Mogelpackung ist, das geben indirekt sogar die Bef&#252;rworter inzwischen &#246;ffentlich zu, bestreiten kaum noch, dass es nicht um dieses architektonische Element geht, sondern dass rundweg &#8222;der Islam&#8220; in die Schranken gewiesen werden soll, als unschweizerisch und fremdkulturell\u2026 Es ist eine demokratische Zumutung, eine Mogelpackung in die Verfassung zu bringen. Alleine schon deshalb ist dieser Initiative eine Abfuhr zu g&#246;nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie damals bei den \u201eUltramontanen\u201c<\/strong><br \/>\nBeurteilt man den Wortlaut \u2013 Verhinderung weiterer Minarette \u2013, so stellt man erstaunt fest, dass auf dem omin&#246;sen Plakat mehr Minarette zu sehen als zurzeit auf dem ganzen Gebiet der Schweiz zu z&#228;hlen sind! Aber eben: Es geht ja um &#196;ngste, die man sch&#252;ren, und um Stimmen, die man bei den n&#228;chsten Wahlen auf die eigenen M&#252;hlen leiten will.<\/p>\n<p>Die Anti-Minarett-Initiative erinnert fatal an die &#8222;konfessionellen Ausnahmeartikel&#8220;, die noch vor vierzig Jahren in der Bundesverfassung standen. Sie richteten sich gegen die &#8222;Ultramontanen&#8220;, also gegen jene, die ihre Weisungen angeblich von &#8222;jenseits der Berge&#8220; erhalten, n&#228;mlich aus dem Vatikan. Also bem&#252;hte man die Bundesverfassung, um die Gr&#252;ndung neuer Kl&#246;ster und die Errichtung neuer Bist&#252;mer sowie das Wirken der Jesuiten zu verbieten. Fatal &#228;hnlich: Auch heute unterstellt man den Menschen einer Religionsgemeinschaft, dass sie fremd gesteuert und unzuverl&#228;ssige, unm&#252;ndige DemokratInnen sind, dass es auf sie gem&#252;nzte Einschr&#228;nkungen in der Verfassung braucht, weil Recht und Gesetz angeblich nicht gen&#252;gen.<\/p>\n<p><strong>Offen, aufgeschlossen und zum Dialog bereit<\/strong><br \/>\nDie Neue Luzerner Zeitung stellt in einem Kommentar vom 9. Oktober 2009 fest, es sei richtig, dass das Plakat in Luzern (und anderswo) nicht verboten wird, denn wichtig sei die Auseinandersetzung. Und wie geht der Kommentar weiter? &#8222;Nun sind die Bef&#252;rworter der Initiative gefordert. Sie d&#252;rfen nicht weiterhin mit Schlagw&#246;rtern wie \u201eschleichende Islamisierung\u201c operieren.&#8220; Solche S&#228;tze d&#252;rfte man erwarten, doch vielmehr liest man: &#8222;Gefordert sind jetzt die Gegner. Sie d&#252;rfen nicht nur mit Schlagw&#246;rtern wie &#8218;Diffamierung&#8216; und &#8218;Rassismus&#8216; operieren.&#8220; Wie bitte? Wer sich dagegen wehrt, dass vors&#228;tzlich die Grenzen zum Rassismus ausgetestet werden, dass eine Bev&#246;lkerungsgruppe mit uns&#228;glichen Vorw&#252;rfen diffamiert wird, soll bitte die Sache nicht mehr beim Namen nennen!<\/p>\n<p>Es scheint der NLZ &#252;berdies unbekannt \u2013 oder ungelegen? \u2013 zu sein, dass diese Gegner von Rassismus und Diffamierung seit Jahren in Kursen und Publikationen, in Lehrerfortbildungen und Gespr&#228;chskreisen mit Argumenten und differenziert sich den Fragen rund um den Islam stellen, mit muslimischen Kreisen im Gespr&#228;ch sind. Und dabei gerade auch im Kanton Luzern feststellen k&#246;nnen: Die VertreterInnen der muslimischen Gemeinschaften sind interessiert am Dialog, sehr offen und aufgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andreas Heggli Die Gr&#252;ne Parole ist klar: Bei der Abstimmung zur Volksinitiative \u201eGegen den Bau von Minaretten\u201c muss am 29. November ein Nein in die Urne gelegt werden. Trotzdem sind von Gr&#252;ner Seite zur Initiative und zur erstaunlichen Argumentation der Medien einige Anmerkungen angebracht. 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