Fragen zum Wochenstundentafel-Beschluss der Regierung
Archiv: 29. November 2004
Anfrage von Louis Schelbert, namens der GB-Fraktion
Die Beschlüsse des Regierungsrates über die neue Wochenstundentafel werden in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht verstanden. Das hat verschiedene Gründe. Inhaltlich geben im Besonderen der Sprachenentscheid und der Umstand, dass er nicht voll mit Fachlehrpersonen umgesetzt werden soll, sowie die Ausgestaltung des Betreuungsangebots zu reden. Mit dem Entscheid für das Modell 3/5 setzte sich die Regierung über die Beschlüsse des Grossen Rates hinweg, die im September zur Volksschulentwicklung ab 2005 gefasst wurden. Das Argument, die Regierung sei auch dem Ziel einer einheitlichen Lösung in der deutschen Schweiz verpflichtet, hält unseres Erachtens nicht stand. Denn eine solche einheitliche Lösung ist auf der Grundlage des Luzerner WOST-Beschlusses mit Englisch ab der 3. Primarklasse gar nicht möglich. Deutschschweizer Grenzkantone zum Welschland sprechen sich für Französisch ab der 3. Klasse, Englisch ab der 5. Klasse aus. Auch hat die Regierung des Kantons Nidwalden verlauten lassen, dass dort das Modell 3/7 umgesetzt werde. Zudem stehen Volksabstimmungen zum Thema an, deren Ausgang ungewiss ist. Es entsteht so der Eindruck, die Regierung gewichte einen nicht umsetzbaren Beschluss der EDK höher als einen umsetzbaren des Grossen Rates. Dem Grossen Rat als Gremium muss neben den Inhalten auch der Zeitdruck der Beschlüsse auffallen: Die WOST für die Sekundarstufe I datiert vom 29. Juni 2004, jene für die Primarschule und die Kleinklassen A und C vom 19. Oktober 2004. Das heisst: Beide Beschlüsse hat die Regierung getroffen, bevor der Grosse Rat über das Budget und den IFAP befunden hat, ja sogar noch bevor die Planungs- und Finanzkommission ihre Beratungen über diese Geschäfte abgeschlossen hatte.
In diesem Zusammenhang bitten wir die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:
- Wie begegnet der Regierungsrat den begründeten Bedenken, ein grosser Teil der Primarschülerinnen und Primarschüler sei mit zwei Fremdsprachen überfordert?
- Wie begründet die Regierung ihren Beschluss, für das Erteilen des Englischunterrichts nicht voll auf das Fachlehrersystem zu setzen?
- Wie will der Regierungsrat Lektionen mit halben Klassen ermöglichen, welche konkreten Angebote kann er den Lehrpersonen machen?
- Weshalb hat die Regierung für ihre Beschlüsse betreffend WOST nicht die verbindlichen Beschlüssse des Grossen Rates zum Voranschlag und zum IFAP abgewartet?
