Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2013

Will und kann die Stadt Quartierentwicklungen für Bedürfnisse älterer Menschen lenken?

Archiv: 26. August 2013

Markus Mächler namens der CVP-Fraktion, Theres Vinatzer namens der SP-/JUSO-Fraktion sowie Korintha Bärtsch und Ali R. Celik namens der Grünen-/Jungen-Grünen-Fraktion fordern den Stadtrat in einer Motion vom 26. August 2013 auf, im Rahmen eines Planungsberichts in geeigneter und kurzer Form eine Strategie bezüglich Wohnen mit Dienstleistungen für ältere Menschen vorzulegen.

Die meisten älteren Menschen wünschen sich, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung, also im Quartier und in der eigenen Wohnung leben zu können. Damit sind automatisch Fragen des Wohnungsbaus und Wohnumfelds angesprochen. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, sind unter anderem bauliche Anpassungen in Häusern und Wohnungen gefragt. Wichtiger als zum Beispiel barrierefreies Wohnen sind Konzepte des Wohnens mit Dienstleistungen zu Hause oder quartierbezogene Wohnkonzepte. Diese sollen zum Beispiel einfache Hilfestellungen im Alltag, aber auch den Bedarf an Pflege- oder gar Demenzwohnungen abdecken. Wie die Versorgung gestaltet werden soll, wird allgemein unter den Stichworten betreutes Wohnen, Wohnen mit Service oder Wohnen mit Dienstleistungen diskutiert. So ist auch eine Arbeitsgruppe des Forums Luzern 60plus mit dieser Thematik befasst.

Im Rahmen der Luzerner Wohnraumpolitik will der Stadtrat für bestimmte Areale auch bestimmte Nutzungen vorschreiben können (B+A 12/2013, Massnahme 8 und Massnahme 10). Aus unserer Sicht ist es vorstellbar, dass die Stadt Luzern auch Wohnungen und/oder Wohnformen für ältere Menschen vorschreibt. Oder dass er bestimmte Infrastrukturen für die Bedürfnisse älterer Menschen von den Investoren verlangt. Gegebenenfalls könnte auch eine Kombination von beiden Auflagen sinnvoll sein. Eine breite Palette von Lösungen mit privaten und/oder öffentlichen Trägerschaften ist vorstellbar. Zum Beispiel könnte die ambulante Pflege und Unterstützung im Haushalt von einer Spitex-Einrichtung oder von einem nahen Pflegeheim eingekauft werden. Oder vielleicht gibt es spezielle Gemeinschaftseinrichtungen in der Wohnsiedlung.

Konkret gibt es bereits Diskussionen in dieser Richtung bei Projekten von Privaten und Wohnbaugenossenschaften, etwa bei den Projekten «Neuhushof» und «Himmelrich 3». Auch Pensionskassen stellen zunehmend Überlegungen an, wie Wohnen mit Dienstleistungen getaltet werden kann, die über das reine Angebot der Alterswohnungen hinausgehen. In diesem Zusammenhang gilt es auch für die Alterswohnungen der Stadt Überlegungen anzustellen, wie sich diese in Zukunft entwickeln werden.

Und darüber hinaus dürfen die Sozialkosten der Stadt nicht dauernd wachsen. Es muss für die Stadt Luzern Möglichkeiten geben, die verschiedenen Player in der Wohnraumbereitstellung, in der Betreuung und in der Dienstleistung zu vernetzen und mit ihnen zusammen kostengünstig quartierbezogene Konzepte zu entwickeln, die dann von den Privaten umgesetzt werden können.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des Themas Wohnen mit Dienstleistungen und der Erkenntnis, dass die Stadt aus unserer Sicht bestimmte Grundlagen und Rahmenbedingungen festlegen sollte, bitten wir den Stadtrat, im Rahmen eines Planungsberichts in geeigneter und kurzer Form eine Strategie vorzulegen, die folgende Fragen beantwortet:

  1. Wie kann der Stadtrat Wohnen mit Dienstleistungen für ältere Menschen konkretisieren?
  2. Nach welchen Mustern und Vorbildern können professionelle Dienstleistungen des Versorgungssystems, solche der Nachbarschaftshilfe und weiteres Freiwilligenengagement zu tragfähigen Strukturen verbunden und nach Bedarf weiterentwickelt werden? Wie können private Firmen, die im Bereich Wohnen mit Dienstleistungen tätig sind, eingebunden werden? Wie kann die Freiwilligenarbeit bei Dienstleistungen für den Alltag sinnvoll gestärkt und nicht durch professionelle Anbieter konkurrenziert werden?
  3. Welche Art von Auflagen und Bedingungen kann sich der Stadtrat für Areale vorstellen, die er im Rahmen der «Wohnraumpolitik» an Baugenossenschaften abgeben will? Ist er bereit, Auflagen und Bedingungen mit den Baugenossenschaften zusammen für bestimmte Quartiere gezielt zu erarbeiten?
  4. Welche Anreize kann sich der Stadtrat für Baugenossenschaften vorstellen, die Areale im freien Markt erworben haben und diese bebauen oder umbauen wollen?
  5. Kann sich der Stadtrat vorstellen, mit dem Zusammenschluss der Luzerner Baugenossenschaften G-Net und/oder mit einzelnen Genossenschaften Modelle zu erarbeiten und zu unterstützen, wie sie jetzt für die Projekte «Neuhushof» und «Himmelrich 3» vorbereitet werden?