Interpellation: Wo Minergie-P-Eco draufsteht, muss auch Minergie-P-Eco drin sein
Archiv: 16. Mai 2014
Rieska Dommann namens der FDP-Fraktion und Korintha Bärtsch namens der Grünen/Jungen-Grünen-Fraktion möchten vom Stadtrat in einer Interpellation wissen, weshalb das Gebäude zur Betreuung Fluhmühle ohne offizielle Zertifizierung als "Minergie-P-Eco-Standard" deklariert wird und ob sich der Stadtrat der Auswirkungen der missbräuchlichen Verwendung des geschützten Minergie-Labels bewusst ist.
Seit mehr als 10 Jahren steht die Marke Minergie synonym für Energieeffizienz und hohen Komfort. Das Label Eco verspricht zudem unter anderem optimale Tageslichtverhältnisse, schadstoffarme Innenräume oder geringe Strahlenbelastung. Der Baustandard Minergie geniesst eine breite Akzeptanz und viel Vertrauen.
Gemäss Medienmitteilung der Stadt Luzern konnte Anfang März 2014 die Betreuung Fluhmühle nach kurzer Bauzeit in Betrieb genommen werden. Für das neue Betreuungsangebot wurde ein Neubau errichtet, der, so die Angaben in der Medienmitteilung, den Minergie-P-Eco-Standard erreiche. Auch die "Neue Luzerner Zeitung" berichtete: "Da es auf dem Gelände keinen Platz für ein Betreuungsangebot hatte, wurde auf der Turnhalle für 2,2 Millionen ein Neubau im Minergie-P-Eco-Standard errichtet."
Minergie ist eine eingetragene Marke und als solche ohne Einschränkungen geschützt. Die Bezeichnung Minergie-Haus beispielsweise basiert also keineswegs auf einer subjektiven Einschätzung (Eigendeklaration), sondern darf nur für Gebäude verwendet werden, die den Minergie- oder den Minergie-P-Standard tatsächlich erfüllen.
Durch systematische Anwendung von qualitätssichernden Massnahmen wird das Vertrauen in die Marke langfristig erhalten (vgl. www.minergie.ch):
- Der standardisierte Zertifizierungsablauf ist der Kernteil der Qualitätssicherung. Massgebend für die Abgabe des Minergie-Zertifikats ist der fertig erstellte Bau, denn nur ein fertig erstelltes Gebäude ist ein Minergie-Gebäude. Die Qualitätssicherung ermöglicht die schriftliche Zusicherung des Zertifikats (provisorisches Zertifikat) auf Grund von Planungsdaten im Interesse der Planungs- und Verhandlungssicherheit beim Verkauf von Minergie-Gebäuden. Die technische Prüfung der Planungsdaten und Stichproben bei den realisierten Objekten erfolgt durch die kantonalen Zertifizierungsstellen. Die Auswertung der Erfahrungen bilden geschlossene Regelkreise und sichern eine laufende Verbesserung.
- Die Verantwortung für eine fachgerechte Planung und Ausführung liegt bei den Antragstellenden beziehungsweise den entsprechenden Fachpersonen. Dies wird im Antrag deklariert, mit der Baubestätigung bis zur Bauvollendung sichergestellt. Die Baubestätigung dient somit den Bauherrschaften für eine Klarstellung der Verantwortlichkeiten.
- Information und Weiterbildung von Planenden, Bauherrschaften und Zertifizierungsstellen runden die Massnahmen ab. Für den Neubau der Betreuung Fluhmühle wurde kein Minergie-Antrag bei der zuständigen kantonalen Minergie-Zertifizierungsstelle eingereicht. Entsprechend wurde durch Minergie auch kein Zertifikat ausgestellt.
dem Minergie-Standard deshalb, folgende Fragen zu beantworten:
- Trifft es zu, dass für den Neubau Betreuung Fluhmühle kein Minergie-Antrag eingereicht wurde und daher die in der Medienmitteilung gemachten Aussagen nicht korrekt sind und einen Verstoss gegen den Markenschutz von Minergie darstellen?
- Für die Zertifizierung im Standard Minergie-P-Eco sind durch die Planenden umfangreiche Unterlagen und Nachweise zu erstellen und insbesondere für den Eco-Standard detaillierte Angaben zur geplanten Materialisierung zu machen. Wurden die erforderlichen Nachweise durch die beauftragten Planer vollständig erstellt und liegen der Stadt vor? Falls die Unterlagen nicht vorliegen, auf welchen Grundlagen wurde durch die Stadt festgestellt, dass der Neubau alle Anforderungen an den Standard Minergie-P-Eco erfüllt?
- Wie beurteilt der Stadtrat die Verwendung der geschützten Marke Minergie im vorliegenden Fall? Ist sich der Stadtrat bewusst, dass durch die missbräuchliche Nutzung der Marke Minergie das Vertrauen in die Marke Minergie beschädigt wird?
- Ist der Stadtrat bereit, in Zukunft nur noch Gebäude, die tatsächlich Minergie-zertifiziert sind, als Minergie-Gebäude zu bezeichnen?
- Wie will der Stadtrat in Zukunft Aussagen zur Energieeffizienz von Gebäuden öffentlich kommunizieren, die nicht dem Minergie-Standard entsprechen? Ist hierfür allenfalls der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) besser geeignet?
- Der Kanton Luzern fördert die Erneuerung von bestehenden beheizten Gebäuden nach Minergie, Minergie-A, -P und -Eco sowie Neubauten nach Minergie-Eco mit einem Bonus zusätzlich zum Förderbeitrag des Gebäudeprogramms. Wurden diese Förderbeiträge bei Bauvorhaben der Stadt Luzern in der Vergangenheit konsequent beantragt?
