Grüne Vorstösse im Stadtparlament Luzern - Archiv 2019

Postulat: Massnahmen zur Minimierung von Kunststoff in den offenen Gewässern

Archiv: 17. Oktober 2019

Mirjam Landwehr und Irina Studhalter namens der G/JG-Fraktion bitten den Stadtrat mit einem Postulat, Massnahmen zu prüfen, um die Gewässerverschmutzung durch Kunststoff während dem ganzen Jahr und insbesondere bei Grossanlässen zu minimieren.

Die Produktionsmenge von Kunststoff steigt jährlich. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich in den vergangenen Jahren eine Einweg- und Wegwerfkultur entwickelt hat. Diese jüngere Gesellschaftserscheinung in Kombination mit der Dauerhaftigkeit von Kunststoff stellt weltweit ein gravierendes Umweltproblem dar.

Die Bilder von «Müllinseln» in Ozeanen (Bsp. Great Pacific Garbage Patch) sind bereits vielfach um die Welt gegangen. Dabei handelt es sich nur oberflächlich um ein landschaftlich-ästhetisches Problem. An kleineren oder grösseren Kunststoffstücken verenden Tiere, beispielsweise weil sie den Magen mit Kunststoff gefüllt haben und deshalb keine Nahrung mehr zu sich nehmen können. Zudem zerfallen Kunststoffstücke im Laufe der Zeit in viele kleine Stücke, welche zum Schluss als Mikroplastik grossen Schaden anrichten. Mikroplastik bindet aufgrund seiner chemischen Eigenschaften die im Wasser treibenden Schadstoffe, deren Einsatz teilweise wegen ihrer Giftigkeit und Langlebigkeit längst verboten ist. Dies führt dazu, dass Mikroplastik um das Drei- bis Vierfache stärker belastet ist als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Mikroplastik ist sowohl für das natürliche Ökosystem als auch für den Menschen problematisch. Für den Menschen wird es beispielsweise dann kritisch, wenn Fische Mikroplastik fressen, sich dieses im Fischkörper ansammelt und schliesslich in hoher Konzentration und inklusive Schadstoffe bei uns auf dem Esstisch landet.

Die Bilder der «Müllinseln» oder der verendeten Tiere stammen meist vom Meer. Allerdings handelt es sich bei Gewässern um ein globales Netz: Das Wasser aus dem Vierwaldstädtersee fliesst in der Reuss, diese mündet in die Aare, diese fliesst bei Koblenz in den Rhein und dieser schliesslich in die Nordsee. Einerseits darum betrifft uns das Plastikproblem auch in der Stadt Luzern. Andererseits sind auch in den Schweizer Gewässern Mikroplastikpartikel festgestellt worden. In einer Untersuchung der EPFL aus dem Jahr 2013, bei der Proben aus sechs Schweizer Seen analysiert wurden, fand man im Mittel 1000 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter Sandprobe.1 Es ist anzunehmen, dass sich diese Anzahl in den vergangenen sechs Jahren noch bedeutend erhöht hat.

Auch im Alltag, aber insbesondere bei Grossanlässen in der Stadt Luzern gelangt Müll in den Vierwaldstättersee und in die Reuss. An der Fasnacht ist dieses Problem besonders gross, da hier kein Mehrwegsystem besteht. Dabei handelt es sich um Becher, Besteck, Teile von Kostümen oder Konfetti aus Kunststoff. Es bedarf daher Massnahmen, um die Belastung der Gewässer mit Kunststoff zu verringern.

Wir bitten den Stadtrat, Massnahmen zu prüfen, um die Gewässerverschmutzung durch Kunststoff während dem ganzen Jahr und insbesondere bei Grossanlässen zu minimieren. Diese Massnahmen können einerseits direkt an der Quelle greifen, beispielsweise in Form von Materialvorschriften für Einweggeschirr (natürlich kompostierbar) oder die konsequente Pflicht zu Mehrweggeschirr mit griffigem Depotsystem. Andererseits sind Massnahmen zu prüfen, die auch kleine Kunststoffstücke effizient und zeitnah zur Verschmutzung wieder aus den Gewässern filtern.

1 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-55628.html