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Kleine Klimadiskussion auf der Alp

25. September 2007, von Roman Brusa

Sonntagnachmittag, Berggasthaus Tannalp auf Melchsee-Frutt, herrliche Herbstsonne auf der Terrasse, meine Begleitung steht Schlange an der Selbstbedienung, gedankenverloren beobachte ich das emsige Treiben. Am Nebentisch ein etwas griesgrämig wirkender Mann bei Bier und Zigarette, am anderen Ende hat ein Mann mit zwei Jungs sich ebenfalls zum Bier gesetzt. Sie reden bald vom Wetter, dass es kaum Schnee gegeben habe auf dem Pilatus, immerhin über 2000 Meter über Meer, meint der griesgrämige Herr. Dann der Familienvater: Die Grünen und Linken wollen immer diese Klimamassnahmen und -abgaben, immer diese Klimaerwärmung, das nützt doch nichts, wenn wir in der kleinen Schweiz, und überhaupt, andere Länder sind viel schlimmer, und das wird auch nicht besser, wenn wir Abgaben und andere Massnahmen einführen. – Worauf der Griesgram: Ja genau, die Grünen… – und dann ein aggressiver Spruch, den ich hier nicht wiederholen will und der mir, wenn ich ehrlich bin, auch schon längst wieder entfallen ist.

Inzwischen steht der Kaffee auf dem Tisch. Der Hassspruch des Griesgrams erhöht leicht meinen Ruhepuls und noch ehe ich überhaupt einen Gedanken fasse, rufe ich ziemlich laut: Wollen sie das einem Grünen direkt sagen, hier ist einer! – Wow! Ein paar Köpfe fliegen herum an den Nebentischen, ein paar Lacher, selbst die Gesichter der beiden Jungs sind plötzlich hellwach, ein paar gut gemeinte Zusprüche vom Nebentisch wie: Das brauchen sie doch jetzt bitte nicht persönlich zu nehmen, und: So grün sind sie ja nun auch wieder nicht, schliesslich tragen sie Sonnenbrille und Turnschuhe und nicht Birkenstock-Sandalen…

Der Familienvater erklärt, es sei doch nicht recht, wenn man einen abgelegen wohnenden Bauern sein Auto verbieten wolle, auf das er angewiesen sei, und ich kann ihm erklären, dass dagegen bestimmt niemand etwas habe, und auch nicht dagegen, wenn jemand seine betagte Mutter mit dem Auto zum Arzt fährt. Es hat noch nicht mal jemand etwas dagegen, wenn der Sonntagsausflug mit dem grossen Auto unternommen wird, weil es für die Grosseltern schwierig und umständlich wäre mit dem öffentlichen Verkehr. Hier noch mal klipp und klar: Ich kenne keine Grüne und keinen Grünen, der oder die etwas gegen die sinnvolle Nutzung des Autos als Verkehrsmittel hätte. Dass es aber sehr viel unsinnigen Autoverkehr gibt, dafür ist der der Betrieb auf Melchsee-Frutt am Sonntag bester Anschauungsunterricht.

Lieber Familienvater aus dem Entlebuch, vom gesamten Autoverkehr halten wir Grünen in der Tat einen guten Teil für wenig sinnvoll, der aus unserer Sicht in der Gesamtbetrachtung besser mit anderen Verkehrsmitteln abgedeckt würde. Den Grünen aber zu unterstellen, sie würden ausgerechnet denjenigen Teil der Autonutzung bekämpfen, der unbestritten nicht mit anderen Verkehrsmitteln sinnvoll abgedeckt werden kann, ist unredlich und ein Scheinargument, das nur verfängt, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt. Schauen sie nochmal nach, was die Grünen so sagen, und sie werden feststellen: Wir fangen am anderen Ende an!

Wir unterhalten uns noch über das Windrad im Entlebuch, erfahren, dass man zufrieden ist mit dem Betrieb, dass weitere geplant sind, offensichtlich über deren Standort diskutiert werde und die Initianten mit Einsprachen zu kämpfen haben. Wir Grünen sollten darüber nachdenken, wie wir die Initianten weiterer Windkraftwerke im Entlebuch unterstützen können. Von mir aus dürfen ruhig noch ein paar weitere Windräder im Entlebuch fleissig Strom produzieren.

Fein, ein konstruktives Gespräch zum Schluss (der Griesgram hat sich rausgehalten), wir nehmen den Rest unseres Weges unter die (Fahr)Räder, wundern uns über die vielen Autos auf der Frutt (immerhin fast 2000 MüM), über den riesigen Parkplatz (auf einem Berg, der mit modernsten Bahnen erschlossen ist), die endlose Blechlawine, die sich über das kleine Strässchen ins Tal windet, und geniessen ansonsten die rasante Talfahrt und den Umstand, dass es durchs Melchtal über Kerns bis nach Stans fast nur noch abwärts geht. Ein prächtiger Tag mit herrlichem Spätsommerwetter, ein wunderbarer Ausflug mit öV und Velo, eine erfrischend ungewöhnliche Begebenheit im Berggasthaus – was will man mehr?

Eine Reaktion zu “Kleine Klimadiskussion auf der Alp”

  1. Richi

    Wenn wir das Öl nicht verbrennen, verbrennts jemand anders. Zumindest in den Ländern die selbst Öl haben (z.B. arabische, Russland, Venezuela,…) wird man kein Interesse haben auf andere, teurere Energieträger umzusteigen. Und so werden diese Länder ihr Öl in spätestens 500 Jahren selbst verbrannt haben.

    Spielt es wirklich eine Rolle ob das CO2 in 50 oder erst 500 Jahren alles in der Atmosphäre ist?

    Man schiebt das Problem nur hinaus statt es zu lösen. Um es zu lösen müsste man zu den Herren Achmadinedschad, Chavez und den Saudis gehen und sie davon überzeugen ihre Bohrlöcher zuzubetonieren. Ansonsten wird irgendwann sooderso alles Öl der Erde verbrannt sein!!!

    Weniger fossile Energieträger brauchen – Ja!! Weil wir dafür zu viel Geld in korrupte Staaten schicken. Aber wegen der Klimaaerwärmung? – Nein! Weil es nichts nützt!

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