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BigBrother-Winkelried-Award fürs Luzerner Bündnis «Luzern für alle»

19. Oktober 2008, von Sekretariat Grüne Luzern

Anlässlich der 9. BigBrother-Award-Verleihung am 18. Oktober in Bern wurde das Bündnins «Luzern für alle» mit dem Winkelried-Award ausgezeichnet. Der Publikumspreis geht an eine Person oder Organisation, die sich sich in lobenswerter Weise gegen Überwachung und Kontrolle zur Wehr setzt. Das Bündnis «Luzern für alle» wurde anlässlich der Preisverleihung 2008 „für seinen Widerstand gegen Videoüberwachung und Rayonverbote“ in einer Publikumswahl zum Sieger des Positivpreises erkoren.

Logo BigBrother AwardsAuch einer der „Betonpreise“, die an „die grössten Schnüffelratten der Schweiz aus Privatwirtschaft und Politik“ verliehen werden, ging nach Luzern: In der Kategorie „Arbeitsplatz“ siegte die Krankenkasse CSS mit ihrem Angebot für eine umfassende „Absenzen-Koordination“: Unternehmen können die Kontrolle über Absenzen an die CSS auslagern, welche die abwesenden Mitarbeiter persönlich kontaktiert, zunächst telefonisch, anschliessend zu Hause. (Die CSS gewann bereits im Jahr 2006 einen Big Brother Award, damals in der Kategorie „Business“, weil sie mehreren hundert Mitarbeitenden über ein online-System Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten ihrer KundInnen erlaubte.)

Weitere Preisträger
Der erste Preis in der Kategorie „Staat“ ging an die Fachgruppe 9 der Basler Staatsanwaltschaft, vertreten durch deren Chef, Herrn Jörg Möschli. Die Fachgruppe 9 ist die für den sogenannten Staatsschutz zuständige Abteilung der Basler Kantonspolizei. Sie ist administrativ der Staatsanwaltschaft unterstellt, rapportiert aber direkt dem Inlandgeheimdienst der Bundespolizei, dem „Dienst für Analyse und Prävention“ DAP. Im Juni dieses Jahres wurde öffentlich bekannt, dass die Beamten der «Fachgruppe 9» Informationen über sechs demokratisch gewählte Mitglieder des Basler Parlaments sammelten und diese Daten an den DAP weiterleiteten. Recherchen des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten ergaben, dass zwei der sechs Grossräte türkischer Herkunft tatsächlich im Geheimdienstcomputer ISIS des DAP fichiert waren.

Beinahe die Hälfte der Kandidaten stellten sich dem Wettbewerb um einen  Business-Award. Siegerin in dieser Kategorie wurde die SECURITAS, Abteilung „Investigation Services“ in Zollikofen. Sie infiltrierte die kritischen Gruppierungen „attac“ und GAP aus Lausanne mit verdeckten Spitzeln – im ersten Fall vermutlich im Auftrag des Nahrungsmittelmultis Nestlé SA.

Der begehrte „Lebenswerk-Award“ für besonders hartnäckige Verletzungen der Grundrechte ging dieses Jahr an Herrn Kurt Trolliet, Staatsschutzbeamter bei der Berner Kantonspolizei, insbesondere für seine willkürliche Festnahme von zwei Journalisten im Umfeld einer politischen Kundgebung im Januar 2008 in der Stadt Bern.

Ehrenliste
Zu den bisherigen Gewinnern eines „Big Brother Awards“ gehören die Firmen Swisscom, Roche, SWICA, CSS, Orange, Postfinance und Q-Sys, der Verband der Krankenversicherer santésuisse, Bundesrat Samuel Schmid, die Kantonspolizei Zürich, die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten, der ehemalige Bundesanwalt Valentin Roschacher sowie der ominöse „Club de Berne“. Eine Liste findet sich in der „Hall of Shame“ auf der BigBrother-Website:

http://www.bigbrotherawards.ch/diverses/hallofshame

International koordinierte Aktion
„Big Brother Awards“ sind eine international vernetzte Aktion: Die erste Preisverleihung wurde 1998 in Grossbritannien von „Privacy International“ organisiert. Inzwischen fanden über 60 weitere Ehrungen in 19 Ländern statt, so in den USA, in Oesterreich, Deutschland, Frankreich, Ungarn, in den Niederlanden, in Japan, Finnland, Dänemark, Spanien, Australien und Neuseeland. Weitere Veranstaltungen sind in Planung (siehe http://www.bigbrotherawards.org).

Die Verleihung der Schweizer Big Brother Awards 2008 wurde organisiert vom Verein grundrechte.ch und von der „Swiss Internet User Group SIUG„, mit Unterstützung des Zürcher Kulturzentrums Rote Fabrik, der Mediengewerkschaft comedia und dem Vereins trash.net. Medienpartner: „WOZ Die Wochenzeitung“ und „LeCourrier„.

Weitere Informationen: http://www.bigbrotherawards.ch/2008

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