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Diskussionsverweigerung der Allmendgegner
18. November 2008, von Philipp FedererWarum verweigern die Allmendgegner die Diskussion? Zwei prägnante Blogbeiträge schrieb ich vor 14 Tagen. Ausser Chregi hat niemand geantwortet, obwohl ich sieben Lügen der Gegner klar benannte. Gerne würde ich die Sicht der Gegner erfahren und mit ihnen diskutieren. Mit einer Verweigerungshaltung geht dies jedoch nicht. Schon beim Reusswehr erlebte ich die Verweigerungshaltung.
Als neuen Input stelle ich mein Votum zur Sportarena ins Netz. Ich hielt dieses Votum im Grossen Stadtrat.
Vorbemerkung: Dies ist meine persönliche Einschätzung.
Take it or leave it. Für diesen Ausspruch des Baudirektors habe ich Verständnis. Jetzt haben wir nach 5 Jahren nur dieses Projekt vorliegend und auf dem Tisch gibt es keine Alternative. Die Gegnerschaft hat auch keine Alternative auf dem Papier. Sie werden mich korrigieren und sagen, wir haben die Alternative, die Stadt soll mehr zahlen, bauen und habe dadurch mehr Mitbestimmung. Dies ist aber gerade keine Alternative.
Es gibt zwei neuere Stadienprojekte, die von der öffentlichen Hand bezahlt wurden. Das erste ist der Letzigrund, die Stadt zahlte 120 Millionen und erhielt dafür ein Stadion ohne Zusatzinfrastruktur wie Hallenbad, etc. – Mehr Ausgaben und weniger Nutzen kann für Luzern keine Alternative sein.
Das zweite Stadionprojekt ist Genf, von Viktor richtig als Gefahr genannt, mit einer Stiftungslösung. Die Stiftung wird durch die Gemeinde Lancy und dem Kanton Genf geführt und sie trat als Bauherr auf. Trotz grossen Kommerzanlagen (36 Mio. von Jelmoli) kostete das Stadion 160 Millionen. Die Verluste des Betriebes gingen voll auf Kosten der öffentlichen Hand – also auch keine Alternative. Alle weiteren Stadien sind privat oder privat-öffentlich finanziert.
Bezüglich Investitionsvolumen lässt sich Luzern sehen. Thun hat 170 Millionen, Biel 230 und das kleine Schaffhausen plant mit 130-150 Millionen. Luzern ist völlig im Rahmen.
Bezüglich Infrastrukturen erhält Luzern sogar sehr viel. Allein das Hallenbad hätte auf Tribschen 35 Millionen gekostet. Luzern erhält insgesamt mehr öffentliche Infrastruktur als andere Städte. Und diese Städte haben auch Gratisbaurechte abgegeben.
Bezüglich des Risikos (nicht vermietete Wohnungen, Abstieg oder Konkurs FCL) hat Luzern ein ausgeklügeltes Vertragssystem. Auf die Stadt wird nie Regress genommen, bei Genf und Lancy schon.
Oder bezüglich Risiko lebt die Stadt Luzern beim KKL – eine Stiftung -gefährlicher, trotz 4,2 Millionen Betriebsbeiträge pro Jahr – wobei das KKL für die Stadt wirtschaftlich sehr wichtig ist.
Sowohl bezüglich des Aufwands, bezüglich der erhaltenen Infrastruktur und bezüglich des Risikos überzeugt mich das Luzerner Modell. Bei diesen drei Punkten haben die Gegner keine Alternative. Im Städtevergleich schneidet das Luzerner Modell zu gut ab.
Das Luzerner Modell ist ausgewogen, hat eine sensationelle Architektur und ist mit wenig Risiko behaftet.
Noch was zum Flugblatt des Gegnerkomitees:
„Nach dem Bau will die Stadt den Betrieb des Fussballstadions an zwei Aktiengesellschaften delegieren, ohne sich selber daran zu beteiligen.“ Warum soll sich die Stadt in den Aktiengesellschaften beteiligen. Dies wäre ein unnötiges Risiko!
Ein 50m-Becken sei wünschbar. Ein 50-Meter-Becken ist nur für nationale Wettkämpfe nötig. Wettkämpfe benötigen wiederum Tribünen. Dies ist ein völliger Luxus, wird national genügend abgedeckt und unnötig, weil 25 m zum Trainieren bei genügender Schwimmfläche reichen. Wenn ich eines aus Olomouz gelernt habe, bei der Partnerstadt von Luzern, die ein Wettkampfbecken hat, so ist es dies, dass sie heute die Tribüne abbauen zugunsten von Kinderbecken. Ein einmaliger Wettkampf pro Jahr rechnet sich nie. Über 4 Millionen kosten die Anlagen pro Jahr, kaufkraftbereinigt. Die SP beklagt in die Betriebsbeiträge von 400’000.- pro Jahr. Heute sind sie mit viel kleinerer Wasserfläche auch über 300’000. Selbst wenn sie 500’000.- wären, dann sind sie mit der doppelten Wasserfläche eigentlich bescheiden. Nur wie hoch wären sie erst mit einem 50–Meter-Becken und nicht benutzten Tribünen?
Kritikpunkte: Am liebsten hätte ich die Schützen ausserhalb der Allmend. Sie spielten aber mit ihrer Macht, sprich Servitut! Ohne dieses kann kein Mineral oder Bier auf der Allmend ausgeschenkt werden. Sie liessen ihr Servitut vergolden.
Einhagung Kunstrasenfelder, bitte ich nicht zu hoch einhagen, nicht 5m, oft genügen zwei Meter oder zum Garderobegebäude könnte es auch frei sein, damit es nicht wie ein „Chöfi“ wirkt.
Insgesamt ist das Luzerner Modell der Sportarena trotz den zwei noch nicht erwähnten Kritikpunkten sehr gut und überzeugend.

Am 18. November 2008 um 22:39 Uhr
Lieber Philipp, Du nennst es Diskussionsverweigerung, und ich glaube, Du irrst. Ich glaube, dass nur ein verschwindend geringer Teil der Luzerner Grünen überhaupt weiss, dass hier Diskussionen stattfinden könnten. Vor zwei Monaten habe ich das Abonnieren der Blogbeiträge (und der Artikel, Medienmitteilungen und Vorstösse) vereinfacht. Es genügt nun, seine E-Mail-Adresse anzugeben und eine Bestätigungsmail zu retournieren, und man wird automatisch benachrichtigt, wenn hier ein Beitrag geschrieben wird. Dieses einfache Prozedere hat bisher genau eine Person geschafft…
Kurz: Du musst davon ausgehen, dass Deine hiesigen Beiträge zwar von vielen Besucher/innen gelesen werden (der Blog verzeichnet durchschnittlich immerhin um die 300 Hits pro Tag), aber kaum von Luzerner Grünen – die erfahren schlicht nicht, wenn hier etwas veröffentlicht wird.
Freundliche Grüsse vom Webmaster 😉
Am 19. November 2008 um 09:45 Uhr
lieber herr federer, ich würde ihnen ja „gerne“ widersprechen, um die diskussion zu beleben. aber bei der sportartena habe ich die gleiche meinung wie sie!
aber es ist leider so, sehr viele gute politische blogartikel (ob in diesem forum, bei der luzerner cvp oder bei michael töngi) bleiben unkommentiert.
Am 19. November 2008 um 12:36 Uhr
Lieber Roman
Die Diskussionsverweigerung beziehe ich nicht nur auf den Blog.
Bei der Allmendabstimmung hat die Fraktion das Investorenmodell nicht richtig diskutiert. Meine Vergleiche mit anderen Stadien wurde nicht diskutiert. PPP war für die meisten ein Schimpfwort und mein Hinweis, dass die zwei bestehenden PPP-Projekte (REZ und Museggmauern) erfolgreich sind, wurde ebenso nicht diskutiert. Stattdessen diskutierten wir, ob die Ausstellung in der Kornschütte die Mitglieder des Grossen Stadtrates beeinflussen könnte, weil sie vor der Ratsdebatte eröffnet wurde. Die SP schrieb dazu eine Medienmitteilung und einige fanden, die Grünen müssten sich dazu auch äussern. Oder die Ballone beim Baugespann – sie wurden in der Nacht aus Flugsicherheitsgründen eingezogen – was ein Skandal sei.
Schon beim Reusswehr fand eine Verweigerung statt. Damals antworteten mir etliche KantonsrätInnen nicht, obwohl ich sie persönlich anschrieb – ohne Kommentar.
Den Leserbrief von Christa hast du Roman ins Netz gestellt und dies betrachte ich auch nicht als Diskussion.
Auf Umwegen erfahre ich, dass sehr wohl über mich diskutiert wird, jedoch nicht öffentlich. Trotzdem habe ich meinen Glauben an die Kraft der Argumente und des Argumentierens noch nicht aufgegeben.