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Dumm oder hilflos?
24. Januar 2010, von Philipp FedererEin Leserbrief auf den Artikel in der Neuen LZ „Grünliberale: oeko-Autos sollen gratis parkieren“ vom 14.1.10.
Als Grüner begrüsse ich viele Massnahmen zum Schutz des Klimas. Wenn jedoch die grünliberale Partei mit ihrem ersten Vorstoss Gratis-Parkplätze für Hybridfahrzeuge fordert, so hört mein Verständnis auf. Hybridfahrzeuge stossen zwar weniger CO2 aus. Sie sind jedoch meistens gross, schwer und sie verstopfen die Quartiere. Einige gleichen mehr einem Energiefresser trotz oder gerade wegen der umweltfreundlicheren Energie. Wer sich so ein Fahrzeug leisten kann und in der Innenstadt herumfährt, muss nicht belohnt werden. Dieser Vorstoss ist für mich weder ökologisch noch sozial durchdacht.


Am 26. Januar 2010 um 00:58 Uhr
Lieber Herr Federer
Gratisparkplätze für Elektrofahrzeuge machen meines Erachtens als Fördermassnahme dann Sinn, wenn sie kombiniert sind mit den entsprechenden Stomsteckdosen, an denen die Batterien nachgeladen werden kann. Dies ist in vielen Städten der Schweiz – auch Zug – und bei zahlreichen Solarenergie-fördernden Firmen, Hotels etc. schon seit etlichen Jahren üblich.
Für grosse, schwere Hybrid-Antrieb-Autos teile ich zwar Ihre Meinung. Aber gleichzeitig kommt mir der Spruch in den Sinn, das leider oft „das Bessere der Feind des Guten ist.“
Nach der reinen ökologischen Lehre war es zum Beispiel eventuell bedenklich, dass wir im Kanton Zug in den letzten 10 Jahren ein flächdendeckendes Netz von gemeindlichen „Oekihöfen“ ( und zwar qualitativ gute und sehr kundenfreundliche, nicht wie jener in Kriens/Horw) aufzogen:
Denn 80 Prozent der Kundinnen und Kunden kommen natürlich mit dem Auto samt vollgefülltem Kofferraum in die massiv frequentierten und sehr beliebten Oekihoefe zur Entsorgung.
=> ABER: Wenn die Leute schon mit dem Auto die Grosseinkäufe machen etc., schien es uns vertretbar, dass sie vorher noch beim Oekihof vorbeifahren, um den Kofferraum zu leeren. Und es schien uns sogar sinnvoll, für den Ausbau der Migros-Einkaufszentrum „Zugerland“ als Bauauflage mit Erfolg die Einrichtung eines Miniatur-Oekihofes („Recyclingstelle“) im „Zugerland“ zu fordern.
Verglichen mit der reinen Lehre ist ein solches Verhalten zugegebenermassen pragmatisch oder sogar opportunistisch: Es führte jedoch dazu,
– dass im Kanton Zug mitterweile nur noch ein Drittel aller Abfälle in der KVA-Kehrichtverbrennung landen (in allen anderen Schweizer Kantonen sind es im Schnitt ZWEI Drittel) und
– dass die ZugerInnen „Weltmeister im Entsorgen“ sind, wie am 8. Januar zuletzt auch Schweiz aktuell von SF 1 in einem Bericht unter eben diesem Titel betonte.
Der 9-Minuten-Beitrag von SF 1 zum Stadtzuger Oekihof, dem Oekibus und der Recylingstelle im Einkaufszentrum „Zugerland“ sehen Interessierte auf der Startseite von http://www.oekihof.ch-
Mit freundlichen Grüssen
Wädi Wyss
Mitentwickler und ausserkantonaler Beratur für das Oekihof-System, Erfinder Oekibus“ sowie
Konzepter aller Sozial-Beschäftigungs-Projekte im Kanton Zug für Sozialhilfe-BezügerInnen, Ausgesteuerte, Arbeitslose, Randständige u.ä.
Am 26. Januar 2010 um 11:33 Uhr
Lieber Herr Wyss
Als Städter ohne Auto finde ich eine Subventionierung der Autofahrer schlecht, ausser die Umrustüngspauschale (Gasauto), die von der Stadt schon geleistet wird. Ein Parkplatz in der Stadt kostet gut und gerne 200.- im Monat. Mit der Anwohnerbevorzugung weniger. Oder jeder m2 für Restaurants kostet ebenfalls Hunderte von Franken. Der Gratisparkplatz ist und bleibt ein Blödsinn. Das ist wie, wenn die Autofahrer grosse Steuerabzüge vornehmen können, die Velofahrenden kaum etwas. Da verlange ich die Gleichbehandlung für die Autolosen!
Der Vorstoss hat auch gute Elemente bezüglich der Klimaziele, die ich unterstütze. Nur die Gratisparkplätze als konkrete Forderung lehne ich klar ab.
Am 26. Januar 2010 um 16:48 Uhr
Sehr geehrter Herr Federer
Danke für Ihre gute Replik, aufgrund derer ich meine Meinung wie folgt ändere:
Ich bin seit dem 18. Geburtstag (mittlerweile seit 37 Jahren) aus Bequemlichkeitsgründen Nicht-Automobilist. Zudem leitete ich als Mitgründer des VCS Schweiz 10 Jahre lang dessen Ressort Velo und baute die IG Velo Schweiz auf.
[Ihr Büro befand sich übrigens im ehemaligen Grafikraum der selbstverwalten Innerschweizer Wochenzeitschrift „Die Region“ in der Luzerner Altenativbeiz seelig „Der Widder“.]
Ich bin wie Sie also der gleichen Meinung, dass Automobilisten für ihr Verkehrsverhalten in keiner Art und Weise „belohnt“ oder privilegiert werden sollten. Und schon gar nicht auf Kosten von öV-BenützerInnen, VelofahrerInnen und Füssgängern. Weil ich persönlich keine Autoparkplätze benötige, vergass ich leider, wieviel Geld diese in Städten wie Luzern kosten. Sorry!
Ich schliesse mich also IHRER MEINUNG AN, dass diese Parkplätze ebenfalls kostenpflichtig sein sollen. Um den gewünschten Umlagerungseffekt trotzdem zu erzielen, sollten sie jedoch nicht weiss markiert sein (= für alle zugänglich). Sondern wie hier in Zug bei den Stromtankstellen gelb (= zweckbestimmte Nutzung wie z.B. bei Parkplätzen für Behinderten-Autos.)
Damit steigt die Chance enorm, dass ein Elektromobil oder ein Hybrid-Auto in der Stadt einen FREIEN Parkplatz findet. Ist dies eventuell ein noch stärkerer Anreiz für den Betrieb umweltfreundlicher Fahrzeuge als eine Gratis-Parkgebühr? (Oder gibt es in Luzern eh genügend oder gar zuviele Autoparkplätze?)
Was halten Sie, sehr geehrter Herr Federer, von diesem guteidgenössischen Kompromissvorschlag?
Mit freundlichem Grüssen und grossem Dank für Ihr Engagement zugunsten des umweltfreundlichen Verkehrs!
Wädi Wyss
Am 28. Januar 2010 um 11:29 Uhr
Lieber Herr Wyss
Luzern hat schlecht ausgelastete Parkhäuser. Da wünschen wir uns die Autos hin und da machen Stromtankstellen Sinn. Einzelne Orte in der Stadt wären auch noch denkbar.
Insgesamt war mein Vorstoss „Änderung der Parkraumbewirtschaftung – für eine echte Anwohnerbevorzugung, weniger Suchverkehr und mehr Ruhe in den Quartieren“ein Erfolg. Endlich eine vierundzwanzig Stunden Parkraumbewirtschaftung und keine blauen Gratisparkplätze mehr in der Innenstadt. Er ist unter dem Link Politische Vorstösse / Stadt/ Archiv 2007 zu finden.
Mit freundlichen Grüssen
Philipp Federer
Am 3. Februar 2010 um 19:03 Uhr
Sehr geehrter Herr Federer
Danke, jetzt habe ich Sie endlich begriffen: Sie möchten also aus grundsätzlichen verkehrspolitischen Ueberlegungen KEINERLEI Anreize für Elektromobile und Hybridautos anbieten, die mit deren „Privilegierung“ beim Parkieren verbunden sind. Es geht Ihnen nicht nur um das verlangte „Gratisparkieren“.
Diese klare Haltung akzeptiere ich selbstverständlich. Obwohl notorischer Nicht-Automobilist, kann ich mich Ihrer Haltung aber nicht anschliessen: Solange „umweltfreundliche“, motorische Fahrzeuge teurer sind als herkömmliche, habe ich persönlich nichts dagegen, dass mit einen Bündel von Anreizen zeitlich befristet deren Kauf gefördert wird.
Beim Solarstrom scheinen solche Anreise zu funktionieren. Sonst wäre der Bundes-Fördertopf kaum so kurz nach seiner Aeuffnung durch die Gesuchsflut bereits leer gewesen.
Ich denke und handle zwar links-grün-sozial-unternehmerisch, kann mit Parteien aller Schattierungen aber ebensoviel wie mit Autos anfangen kann – also wenig. Deshalb hoffe ich nur, ihre klare Haltung in dieser Sache habe nichts damit zu tun, dass die Luzerner Grünliberalen diesen Vorstoss einreichten.
Dies wäre meiner Meinung nach nämlich ein Rückfall in die „absenderorientierte“ Politik, die in den 50er- bis 80er-Jahren in der Schweiz ihr Unwesen trieb. Sie verlief von Gemeinde über Kanton bis zum Bund vereinfacht nach folgendem Muster:
=> Die SP/Linken schlugen in verschiedensten Bereichen Lösungen vor, die von den bürgerlichen Parteien postwendend unisono abgelehnt wurden. Einige Jahre (manchmal auch Jahrzehnte, z.B. AHV) später präsentierten die Bürgerlichen die gleichen – oder sehr analogen – Inhalte unter ihren Parteinamen. Dadurch wurden sie, welche Ueberraschung, dann mehrheitsfähig.
(Etliche krasse Müsterchen für diese unselige, „absenderorientierte“ Politik können Sie bei Interesse in meinem Buch zur 20.-Jahrhundert-Geschichte der hässlichsten Zuger Gemeinde mit Schmunzeln nachlesen: http://www.bannverlag.ch , Steinhausen.
Näher aufklären über die Grünliberalen müssen Sie mich nicht, sehr geehrter Herr Federer, danke im voraus.
Es ist mir zwar ein Rätsel, wie sich verstandesbegabte Wesen ausgerechnet hinter eine Gallionsfigur wie Martin Bäumle stellen können. Aber der Absender zählt für mich eben nicht.
=> Entweder ist der Inhalt eines Vorstosses sinnvoll, dann soll er verwirklicht werden. Oder der Inhalt ist Schrott, dann soll er entsorgt werden, unabhängig jeglicher Parteiprovenienz.
Mir freundlichen Grüssen
Wädi Wyss
Am 6. Februar 2010 um 14:58 Uhr
Herr Wyss
Seit vielen Jahren schon zahlt die Stadt Luzern Förderbeiträge an Autos, die umgerüstet werden. Wir unterstützten dies immer und gerne. Bezüglich Gasautos in der eigenen Verwaltung machte Korintha Bärtsch im Namen unserer Fraktion einen Vorstoss.
Die Grünliberalen haben einen Vorstoss eingereicht. Es ist eine Interpellation. Lesen Sie bitte diese Interpellation. Darin sind keine Forderungen, sondern nur Fragen. Wir werden die Fragen mit den Klimazielen klar unterstützen. Nur gegenüber der Neuen LZ hat der Interpellant die Forderung mit generellen Gratisparkplätzen als Fördermassnahme gestellt, welche ich ablehne. Fördermassnahmen lehne ich ansonsten nicht ab. Für mich gibt es bessere Fördermassnahmen, z. B. eine steuerliche Lenkung mit Abzügen.
Bezüglich Grünliberale schätze ich ihre klare Haltung zum Tiefbahnhof. Gemeinsam kämpfen wir für die Grüne Initiative und gegen den wischi-waschi Gegenvorschlag von CVP, FDP und SVP. Darüber stimmen wir nächsten ab.
Am 11. März 2010 um 14:34 Uhr
Warum wir Zuger/innen leider nichts von der Luzerner Politik wissen
Sehr geehrter Herr Federer
Ich las in der Zwischenzeit mit grossem Interesse alle Vorstösse und Dokumente, auf die sich mich aufmerksam machten: Gratulation, das ist sehr seriöse und engagierte Politarbeit!
Gleichzeitig ärgerte ich mich bei dieser Gelegenheit wieder einmal, wie wenig wir Zuger/innen leider über die Luzerner Politik überhaupt wissen können. Verantwortlich dafür ist ironischerweise der Umstand, dass unsere Monopol-Tageszeitung „Neue Zuger Zeitung“ als Kopfblatt der „Neuen Luzerner Zeitung NLZ“ erscheint.
=> Eine Berichterstattung über die Luzerner Politik findet in der Neuen Zuger Zeitung aus PRINZIP nur in seltenen Ausnahmefällen (kantonale Wahlen, seltsame Bildungssparbeschlüsse u.ä.) statt: Der Zeitungsbund „Luzern“ – also ALLES, was über Stadt, Agglomeration und Kanton Luzern berichtet wird – existiert im Zuger Kopfblatt NICHT. Dieser Bund bezieht sich bei uns auf Zug. Und auch im Alibiressort „Zentralschweiz“ finden wir Zuger/innen höchst selten irgendetwas aus dem Kanton Luzern.
Als kommerzielles Geschäftsmodell mag dieses Kopfblattsystem für ihren Besitzer, die Neue Zürcher Zeitung NZZ, ja von Vorteil sein. Aus regionalpolitischer Sicht ist es hingegen eine völlige Fehlkonstruktion:
=> Wieso sollen ZugerInnen Luzern politisch Ernst nehmen können, wenn ihnen die Information zum politischen Leben absichtlich vorenthalten werden?
=> Und dass sich Zug immer mehr Richtung Zürich orientiert,
hat neben anderen Faktoren eben auch medienpolitische Gründe, die unterschätzt werden: Wer in Zug den „Tages-Anzeiger“ liest – und das sind sehr viele – kommt seit jeher tagtäglich in den Genuss des sehr guten „Zürich“-Bundes.
=> Ein politisch einigermassen interessierter Zuger Tages-Anzeiger-Abonnent kennt, um nur ein eher irrelevantes Beispiel zu nennen, ohne weiteres die Namen der Zürcher Stadträte und der Regierungsräte.
=> Wieviele Namen von Luzerner Stadt- und Regierungsräten jedoch ein politisch ebenso interessierter Abonnent der „Neuen Zuger Zeitung“ aus dem Gedächnis abrufen kann, steht auf einem anderen Blatt. Zwei? Vier? Keine Ahnung.
Ich befürchte, dass Luzerner/innen durch die Kopfblatt-Fehlkonstruktion aus der „Neuen Luzerner Zeitung“ ebenfalls sehr wenig über die Zuger Politik wissen. Bezüglich politischem Personal, das überall noch ähnlichen Mechanismen tickt, spielt das zwar keine Rolle. Aber für die regionalpolitische Identifikation ist es eben Gift.
Ein vernünftiger Ideen- und Lösungsaustausch zwischen Luzerner und Zuger Gemeinden wird so massiv erschwert. Oft kommt mir vor, Luzern und Zug seien zwei Nachbarinseln im Politmeer, die auf Gemeindeebene jeweils „das Rad neu erfinden“ müssen, ohne voneinander durch einfache Kooperation/Austausch profitieren zu können.
Mit freundlichen Grüssen
Walter Wädi Wyss
PS
Achtung: Die obenstehenden Bemerkungen beziehen sich ausdrücklich auf die Berichterstattung über die POLITIK IN LUZERN in der „Neuen Zuger Zeitung“.
=> Ueber die Luzerner KULTUR und WIRTSCHAFT werden wir Zuger/innen gut informiert, weil das im NLZ-Stammteil steht.
=> Noch bessere Informationen erhalten wir über den Luzerner UND Innerschweizer SPORT. Die wöchtentliche Regionalsport-Beilage ist sogar meine Lieblingslektüre: Allerdings nur zur Hälfte aus sportlichem Interesse, die andere Häfte ist noch wichtiger: Dort tauchen wenigsten in den Teamaufstellungen und Ranglisten die Namen auf der Kinder/Jugendlichen von meinen vielen Kollegen, Bekannten & Verwandten in Luzern und der Zentralschweiz. Wenn ich schon von den Eltern via Zeitung nichts erfahre, dann wenigstens von den Kindern…
=> Die RegionalSPORT-Beilage schafft Leserbindung, bringt Inserenten-Goodwill, ist kommerziell sinnvoll und fördert erst noch den Breitensport.
=> Diese positiven Faktoren kämen bei einer wöchentlichen RegionalPOLITIK-Beilage viel weniger zum Tragen. Kommerziell macht es also für die Zürcher NZZ-Gruppe keinen Sinn, dass die Innerschweizer Kantone mehr voneinander wissen.
Im Gegenteil. Es fördert den Zug nach Zürich.