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Luzern macht sich unglaubwürdig
3. Februar 2010, von Alain GreterVergangenen November hat die Luzerner Stimmbevölkerung ein klares Ja zum neuen Tiefbahnhof abgegeben. Dieser Tiefbahnhof ist nur durch die finanzielle Unterstützung des Bundes möglich. Nun hat ein Komitee noch nicht genug, und will noch mehr, nämlich einen 1900 Millionen teuren Bypass. Da dieser neue Strassenkapazitäten schafft, macht er das Auto fahren nicht nur attraktiver, er konkurrenziert damit auch die Investitionen in den öffentlichen Verkehr. Nicht zuletzt wird damit viel Goodwill beim Bund verspielt. Angesichts der allseits grossen Ausbauwünsche bei der Verkehrsinfrastruktur, wirkt man nur glaubwürdig, wenn dem Wunsch auch eine klare Politik folgt.
Die Stadt Luzern scheint dies mit der „Charta für eine nachhaltige städtische Mobilität“ (PDF, 6.1 MB) begriffen zu haben. Diese setzt auf umweltfreundliche und zukunftsfähige Verkehrsmittel und fördert auf allen Ebenen konsequent Bahn und Bus, Fuss- und Veloverkehr. Nur so wird Luzern in Bern glaubwürdig als Kanton wahrgenommen, der nicht nur Bundessubventionen einstreichen will, sondern seine Zukunft nachhaltig gestaltet.
Übrigens: Die Stadtbevölkerung Luzerns kann am 7. März 2010 die Charta an der Urne tatkräftig unterstützen und gleichzeitig dem Stadtrat Beine machen, indem sie unserer Initiative für die Finanzierung des Tiefbahnhofs zustimmt und den Gegenvorschlag ablehnt.

Am 10. Februar 2010 um 12:36 Uhr
Hallo
Was mich an der ganzen Diskussion stört ist das Nicht-Infrage-Stellen der immer weiter anwachsenden Moblität. Bin selbst auf den ÖV angewiesen, werde auch nie ein Auto besitzen. Aber auch der öffentliche Verkehr kann nicht unbegrenzt anwachsen. Denn auch hier gilt: Eine bessere Infrastruktur führt zu Mehrverkehr. In Zürich bauen sie schon den zweiten Tiefbahnhof. Kann und soll das immer so weitergehen? Werden so nicht falsche Anreize gesetzt? Zudem ist auch der öffentliche Verkehr nicht kostendeckend und viel zu billig für die KundInnen (nur 33% der Kosten werden von den NutzerInnen getragen). Jedes SBB-Billet von 50 Fr. wird noch mit 100 Fr. subventioniert. Da müssten doch auch bei den Grünen die Alarmglocken. Würde mal schätzen, dass der pro-Kopf-Energie-Verbrauch/Jahr im ÖV im Jahr 2010 grösser als der gesamte pro-Kopf-Energieverbrauch/Jahr im gesamten Verkehr im Jahr 1970. Klar, Autofahren ist schlimmer (mit allen Konsequenzen), aber auch die immer steigende ÖV-Moblilität führt zu Zersiedelung, Ressourcenverbrauch etc. Schiene und Strasse schaukeln sich hoch zu einem Mobliitätswahn sondergleichen.
Am 10. Februar 2010 um 21:34 Uhr
Hallo Remo Gubler
das Fehlen der grundsätzlichen Mobilitätsfrage hat nicht damit zu tun, dass die Grünen die ständige Weiterentwicklung der Mobilität nicht auch in Frage stellen würden. Wahrlich ist es auch falsch, Bahn als gut und Auto als schlecht darzustellen. Ebenso richtig ist, dass eine verursachergerechtere Abwälzung der Bahnkosten auf die Benutzer den Mobilitätswahn abbremsen könnte, wenn…
…die Verursacher des Autoverkehrs ihre Kosten auch voll selber bezahlen würden, vor allem die sogenannten externen Kosten wie CO2-Ausstoss, Feinstaubkonsequenzen oder Lärm (Studien sprechen vom Faktor 5 der heutigen Kosten). Dann wäre die Bahn immer noch Welten günstiger und sauberer.
Da aber alles, was das Autofahren nur ansatzweise betreffen könnte, sofort abgeschmettert wird, bleibt es an den Grünen, wenigstens den sinnvolleren Verkehrsträger zu fördern und das ist zweifelsohne die Eisenbahninfrastruktur. Darum unterstütze ich mit gutem Gewissen den Tiefbahnhof Luzern.