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Flanieren geht über konsumieren – von der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums

8. Juni 2015, von Sekretariat Grüne Luzern

Rückblick auf das Palaver vom MO, 4. Mai 2015.
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Mehr als 20 Personen kamen ins Café Parterre um zu palavern. Der Titel ist offensichtlich auf Interesse gestossen. Erfreulich war auch, dass nicht alleine das Grüne Stammpublikum da war. Viele neue Gesichter!

Schon zu Beginn ihres interessanten Inputs hat Barbara Emmenegger, Sozialforscherin, klar gemacht, dass wir immer konsumieren, auch wenn wir scheinbar nur flanieren. Auch wenn wir nichts trinken oder essen konsumieren wir, z.B. auf einem Spaziergang dem See entlang die Aussicht über den See auf die Berge.

In einer Stadt treffen vielfältige Bedürfnisse aufeinander, Kinder möchten spielen, das Jungvolk möchte Party, die Geschäfte Kundschaft, die Tourismusindustrie Gäste aus der ganzen Welt, Einige möchten nachts schlafen können. All diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist eine grosse Herausforderung an Regierende, Stadtplanende, Politikerinnen und Politiker, die Bevölkerung.

Wer die Entscheidungshoheit hat über den entsprechenden öfffentlichen Raum, steuert, wer willkommen ist, oder wer draussen bleiben soll. Der öffentliche Raum ist immer exklusiv. An einigen Orten ist klar, wer erwünscht ist, Bahnpassagiere in den Bahnhofshallen, aber nicht Obdachlose. Um diese fernzuhalten werden Bänke installiert, auf denen man sich nicht hinlegen kann, oder gar nur Sitzstangen.

Die Nutzung des öffentlichen Raums kann auch mit Wegweisungsartikeln und Rayonverboten eingeschränkt werden. Ein wenig taugliches Mittel, schon bald tauchen die unliebsamen Gäste woanders auf.

Eine lebenswerte Stadt zielt auf ein Gleichgewicht hin. Ein positives Beispiel ist das Inseli, ein ehemals von vielen eher gemiedener öffentlicher Raum. Es wurde mit sanften Massnahmen (Buvette) aufgewertet und ist inzwischen zu einem beliebten Begegnungsort für eine breite Bevölkerungsschicht geworden.

Barbara Emmenegger hat in ihrem Input die symbolischen Zuschreibungen für Orte, Räume, Plätze, Strassen erwähnt. Diese führen zu einer Art Selbstregulierung. Im Rahmen eines ihrer Forschungsprojekte hat ihr eine ältere, in Zürich-Altstätten wohnende Frau erzählt, dass sie ihr bestes Kleid anziehe, wenn sie mal an der Bahnhofstrasse in Zürich was besorgen müsse. Sie scheint sich dort nicht besonders wohl zu fühlen, nicht zugehörig, geht wohl nur hin, wenn sie muss.

Ein Beispiel für Selbstregulierung in Luzern ist die Ufschütti. Hier ist klar, wo Fussball oder Federball gespielt oder das Badetuch ausgebreitet werden kann. Es wird gegrillt und musiziert. Eine grosse Freiheit für viele. Wen’s stört, geht nicht hin oder wählt eine ruhigere Zeit.
Was an diesem Abend öfters als störend genannt wurde, sind die vielen Events, die in den Augen vieler die Stadt zu einer Festhütte verkommen lassen. Hier wird dringend eine massvolle Steuerung gewünscht.

Ein anregender Abend dieses Palaver. Wir danken Barbara Emmenegger!

Für die Palaver-Gruppe – Edith Hausmann

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