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Der Ball vor dem Kopf verhindert den Blick auf das Spielfeld

19. November 2008, von Hans Stutz

Philipp Federer schreibt von Unwahrheiten, wo er den Durchblick verloren oder ungenau gelesen hat.

  1. Der Gebrauch von Teleobjektiven gehört seit Jahrzehnten zu den Arbeitstechniken von FotografInnen, vor allem auch bei Sportveranstaltungen. Teleobjekte bringen das Geschehen näher an die BetrachterInnen, aber verändern nichts am Wirklichkeitsgehalt. Und überhaupt: Wer beim perspektivischen Zeichnen aufgepasst hat, weiss, dass Quadrate in der Entfernung zu Rhomben werden.

  2. Dass das Baurecht als Leistung städtische Leistung gesehen wird, entspricht auch der kantonal vorgeschriebenen Praxis jeweils die Vollkosten auszuweisen. Auch die Gewährung von unentgeltlichen Baurechten führt zu Finanzvorlagen, die dem fakultativen bzw. obligatorischen Referendum unterstehen, letztmals geschehen bei der Verlängerung des Baurechts an das Verkehrshaus der Schweiz, Volksabstimmung Anfang Jahr 2007.

    Fakt: Die Stadt erbringt eine Leistung, in dem sie das Bauland für die Hochhäuser im Baurecht abgibt. Sie kassiert für diese Leistung 31.7 Millionen Franken und sie gibt dieses Geld für das Fussballstadion aus. Sie könnte die Millionen ja auch für anderes ausgeben; beispielsweise, die anstehenden Schulhausrenovationen (siehe weiter unten).

    Man kann den Allmend-Handel übrigens auch in Comic-Sprache fassen:
    Ich Dir geben Grundstück,
    Du bauen Hochhaus
    Du mir geben Geld für Baurecht,
    ich will bauen Stadion
    aber sagen, DU bauen Stadion fast ganz,
    weil ich bisher immer sagen,
    FCL ist pfui, nicht seriös, vor wenigen Jahren ja bald Konkurs gegangen

  3. Federer behauptet weiter, der Profit des Bankkonzern Credit Suisse sei „nicht garantiert“. Er liefert dann allerdings keinen einzigen Hinweis, wo für den Investor ein Risiko bestehen soll. Sagen wir es doch ganz einfach: Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr, als dass eine Bank einen für sie ungünstigen Vertrag abschliesst.

    Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches von Werner Rügemer, ‚Heuschrecken’ im öffentlichen Raum. Public Private Partnership. Anatomie eines globalen Finanzinstruments. Bielefeld 2008.

    In der Wochenzeitung WOZ (23.10.2008) wird – in einer Besprechung des erwähnten Buches – das Geschäftsmodell PPP folgendermassen zusammengefasst: „Auf der einen Seite stehen PolitikerInnen, die während ihrer Amtszeit trotz angespannter Haushaltslage finanzielle Handlungsspielräume wollen. Auf der anderen Seite stehen Banken, Baukonzerne und Inves­orInnenen, «die sich neue, grossvolumige und zugleich sichere Geschäfte mit staatlicher Rückendeckung erschliessen wollen». Diese InvestorInnen profitieren von den langfristigen und risikolosen Einnahmen auch deshalb, weil diese vom ersten Tag an verkauft beziehungsweise beliehen werden können. Das Beleihen und Verkaufen klappt zwar momentan nicht so gut, aber eine sichere Bank sind diese Privatinvestitionen allemal – denn der Staat zahlt auch noch in Jahrzehnten.“

    A propos PPP-Projekte. Bis vor kurzem lobten die Luzerner Bürgerlichen noch, dass das PPP-Projekt Regionales Eiszentrum ja so hervorragend funktioniere, nun muss auch hier der Steuerzahler wieder eingreifen, damit die Vereine die geforderten Gebühren bezahlen können, damit die REZ AG nicht rote Zahlen schreibt. (Siehe NLZ, 17. November 2008)

  4. Tatsache ist, dass die kommenden Sportbauten samt den Folgekosten des Investorenmodells (Schiesshalle etc.) insgesamt rund 140 Millionen Franken Kosten werden, davon tragen Stadt/Kanton 112 Millionen (inklusive der Ablieferung Baurechtszins direkt) und die Stadt in den folgenden 30 Jahren noch Miete für den Hallenbad-Grundausbau, insgesamt über 26 Millionen Franken.

  5. Tatsache ist auch, dass die Stadt den Vorplatz erstellt und der Investor die Einnahmen der rund 100 erstellten Parkplätze kassiert, 99 Jahre lang. Die stadträtliche Annahme, dass die Parkplatz-Auslastung nur 10 Prozent betragen wird, ist unrealistisch. Bei einer solchen Auslastung müsste wohl eher auf die Erstellung verzichtet werden.

  6. Noch ein kleiner Hinweis. Zuerst war vorgesehen, dass der Investor den Vorplatz erstellt und die Stadt die Parkplätze bewirtschaftet. Erst in der Schlussphase der Verhandlungen wurde alles ganz anders: Die Stadt bezahlt, der Investor kassiert.

  7. Die Schiesshalle solle, behauptet Federer, „keine Grünfläche versiegeln“, weil das Hallendach begrünt werde. Das ist ganz einfach Mumpitz. Sowohl die Halle (Ausmass rund 60 Meter lang, 40 Meter breit, 15 Meter hoch) wie auch die dazu bewilligten Parkplätze versiegeln den Boden. Oder: Versiegeln denn die Schiesshalle-Parkplätze auch keine Böden, wenn die darauf stehenden Autos auf den Dächern Gras tragen?

  8. Federer behauptet, in der Gesamtplanung finde er keine Hinweise, dass die Schulhaussanierungen zurückgestellt sind. Wer nicht sehen will, der sieht eben nichts. Hier die Zahlen samt Quellenangaben.

    Jahresplanung
    2007-2011, S. 85f
    Jahresplanung
    2008-2012, S. 87f
    Jahresplanung
    2009-2013, S. 92f
    Schulhaus Felsberg
    Sanierung/Abschluss
    2012 2012 2014
    Schulhaus Maihof
    Sanierung/Abschluss
    2011 2012 2013
    Schulhaus Steinhof
    Teilsanierung/Abschluss
    2011 2011 2013
    Schulhaus Schädrüti
    Sanierung/Abschluss
    2011 2012 2014
    Schulhaus St. Karli
    Teilsanierung/Abschluss
    2011 2011 2015
    Schulhaus Geissenstein
    Sanierung/Abschluss
    2012 2012 2014
    Schulhaus Grenzhof
    Sanierung/Abschluss
    Verbesserung Raumklima/
    Schulraumplanung
    2008
    Raumklima/Schulraumersatz
    insgesamt: 1,5 Mio.
    2008
    Raumklima 200’00 (2010)
    Sanierung 3.3 Mio.
    2014
    Schulhaus Moosmatt
    Sanierung/Abschluss
    2017

    Nur beim Schulhaus Felsberg ist klar, dass die Rückstellung nicht aufgrund des Allmend-Aufwandes, sondern aus Gründen des Denkmal-Schutzes erfolgte.

  9. Das Komitee „Allmend ohne Hochhäuser“ fordert weder Schwimm-Aussenanlagen noch ein 50-Meter-Becken, sondern kritisiert dass die Wohntürme den Ausbau zu einem regionalen Band in den kommenden Jahrzehnten verunmöglichen – falls dies einmal nachgefragt werden sollte.

  10. Ganz abgesehen davon, dass das nun geplante Hallenbad sehr teuer ist. Unter anderem, weil das Hallenbad im 1. Stock zu liegen kommt, weil der Investor im Erdgeschoss Ladenflächen erstellen will.

P.S. Im Übrigen überlassen wir die Verunglimpfung des politischen Gegners üblicherweise den politischen Gegnern

Eine Reaktion zu “Der Ball vor dem Kopf verhindert den Blick auf das Spielfeld”

  1. Philipp Federer

    Lieber Hans

    Ein paar kurze Entgegnungen:

    1. Teleobjektive verfälschen. Da können wir einander zustimmen. Der Unterschied von einem Spielfoto zum Kampagnenfoto der Allmendgegner ist enorm. Beim Spiel wird ein Ereignis vielleicht 30m herangezoomt. Ihr dagegen zoomt aus 2,5 Kilometern ein Bauvorhaben heran und setzt dies in ein Verhältnis zur Jesuitenkirche. Dieses Verhältnis (Fotografenstandort Schirmerturm) wird zu einem krassen Missverhältnis und dies kann das menschliche Auge so nie sehen. Proportional werden die Verhältnisse durch die grosse Distanz etwa zehnfach verzerrt.

    2. Der Investor trägt mehrere Risiken mit der Bauteuerung, mit der Suche nach den Betreibern und der Seriosität der Betreiber. Rendite gibt es auch für ihn nicht gratis!

    3. Das PPP-Projekt Eiszentrum ist eine gute Sache. Dass sie nicht mehr gewillt sind den Vereinen grössere Summen für die Eisen zu schenken kann ich nachvollziehen. Du schreibst schon, der Steuerzahler müsse dies zahlen. Bei den Curlingvereinen ist dies kein Problem. Der Hockeyklub hat Schwierigkeiten und ihm könnte geholfen werden, jedoch wird von ihm auch ein Beitrag erwartet.

    4. Bei der Vorzonenbewirtschaftung rechnet die Stadt mit 10%-Belegung. Ihr rechnet mit einer 70%-Auslastung. Diesen hohen Wert hat kein Parkhaus in der Innenstadt. Durchschnitt ca. 30%.

    5. Was begrünt ist (Schiesshalle) – ist nicht versiegelt.

    6. Deine Rechnung mit den Schulhäusern stimmt mehrfach nicht.
    a) Vier Jahreszahlen sind schlichtweg falsch, u.a. Maihof 2011 statt 2008 und Geissenstein 2012 statt 2009.
    b) Die Summen haben sich in den Jahresplanungen stark verändert, was zu grösseren Planungen und den normalen Planungsverzögerungen führte. Z.B. St. Karli von 2,2 Mio auf 8,5 Mio. Dies ist aus deiner Tabelle nicht ersichtlich.
    c) Der Gesamtkredit Investitionsplanung für die Bildung hat nicht abgenommen, sondern zugenommen. In die Bildung wird nicht weniger, sondern insgesamt mehr investiert, trotz Allmendplanung.
    d) Verzögerungen und Anpassungen sind seit Jahrzehnten normale Vorgänge bei der Investitionsplanung. Auf die Allmendplanung lassen sie sich nicht zurückführen.

    Finanzplanperiode 09 10 11 Total
    Jahresplanung 07-11, S. 76 12,75 Mio 9.80 Mio 16,90 Mio 39,45 Mio
    Jahresplanung 08-12, S. 79 16,64 Mio 16,30 Mio 20,90 Mio 53,84 Mio
    Jahresplanung 09-13, S. 85 17,51 Mio 11,95 Mio 23,98 Mio 53,44 Mio

    7. Dein Komitee hat ein 50-Meter-Becken gefordert. Auf dem grünen Flugblatt, aufgelegen in der Kornschütte während Wochen, stand dies klar so. Das andere Gegnerkomitee hat dies auch gefordert. Dein Flugblatt könnte ich fotografieren/ scannen und ins Netz stellen, wenn du dies wünschst.

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